Bauwerk

Einkaufszentrum "M eins"
Rainer Köberl - Mittersill (A) - 2014
Einkaufszentrum "M eins", Foto: Lukas Schaller
Einkaufszentrum "M eins", Foto: Lukas Schaller
Einkaufszentrum "M eins", Foto: Lukas Schaller
Einkaufszentrum "M eins", Foto: Lukas Schaller

Einkaufszentrum "M eins", Mittersill

19. November 2015 - aut. architektur und tirol

Im Zuge der Errichtung eines Kreisverkehrs an der Kreuzung der wichtigen Nord-Süd- und Ost-West-Verkehrsachsen – Pass Thurn/Felbertauern bzw. Zell am See/Krimml –wurden im Nahbereich der Stadt Mittersill größere Flächen für eine gewerbliche Nutzung erschlossen. Die Firma MPREIS erwarb das südwestlich des Kreisverkehrs gelegene, ca. 6.000 qm große Grundstück, das sich auf Grund seiner Größe dazu anbot, ein kleines Einkaufszentrum zu realisieren.

Die Höhenlage des Bauplatzes ca. 4 bis 5 Meter unter dem Straßenniveau und die angestrebte Verkaufsfläche im Rahmen der von der Raumordnung erlaubten 2.600 qm führten unwillkürlich zu einer Lösung aus einem maximal ausgedehnten, offenen Parkdeck, über dem der eigentliche Baukörper annähernd auf Höhe der passierenden Straßen zu liegen kommt. Der durch eine markante Stützstruktur "hochgestemmte", ca. 100 x 44 Meter große Flachbau wird rund um ein intensiv bepflanztes, offenes Atrium durch zwei Treppenanlagen und zwei Lifte vertikal erschlossen. Die Geschäftsflächen liegen östlich und westlich dieses mit Betonbalken pergolaartig überdeckten Hofraums, zum einen auf der dem Kreisverkehr zugewandten Seite der fast quadratische, nach außen offene Lebensmittelmarkt mit angeschlossenem Café, zum anderen vier schmale, lange Verkaufsräume für einen Drogeriemarkt, ein Schuhgeschäft und zwei Textilgeschäfte. Die angestrebte Organisation des kleinen Einkaufszentrums rund um ein "Herz" erforderte viel Entwurfsarbeit und wurde schlussendlich erst dadurch realisierbar, dass die vier Geschäftsflächen auf eine minimal mögliche Breite von 10 bzw. 12 m beschränkt wurden.

Das Parkdeck – eine Mischkonstruktion aus Fertigteil- und teilweise vorgespannten Ortbetondecken – entstand in intensiver Zusammenarbeit mit dem Statiker und dem Kosten- und Zeitmanagement. Ziel war es, einerseits die vom Bauherren unbedingt erwünschte großzügige Parkierungssituation zu schaffen, andererseits eine Konstruktion zu finden, die trotz der zum Teil großen Raumhöhen den darüberliegenden Handelsraum deutlich "erdet". Ein weiterer wichtiger Aspekt war es, das Gebäude so zu konstruieren, dass es trotz seiner Massivität bei Bedarf relativ einfach umgebaut werden kann. So können die Fertigteildecken leicht entfernt und zu zusätzlichen Vertikalerschließungen oder Lichthöfen geöffnet werden und auch die im ganzen, intensiv begrünten Dachbereich verwendeten Betonholdielen erlauben flexible Anpassungen.

Sein charakteristisches Erscheinungsbild erhält der Betonbaukörper durch den Einsatz von 4 m langen, in rhythmischem Abstand horizontal auf die Standardschalung genagelten "Schwartln", unbesäumten, leicht konisch verlaufenden Brettern, die aus dem von Rinde befreiten Baumstamm gesägt werden. Ruhig in die Landschaft gefügt wird der Eindruck erweckt, das Gebäude wäre schon lange hier gestanden, fast wie ein Zeitgenosse des Felberturms, des aus dem 12. Jahrhundert stammenden Steinmauerwerkturms in Mittersill. (Text: Rainer Köberl; red. bearbeitet)

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Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

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