Bauwerk

Vereinshaus Fontanella
Gohm Hiessberger Architekten - Fontanella (A) - 2016
Vereinshaus Fontanella, Foto: Ulf Hiessberger
Vereinshaus Fontanella, Foto: Ulf Hiessberger
01. August 2017 - vai

In der hochgelegenen Walsersiedlung Fontanella, unterhalb des Faschinapasses, dem Übergang vom Großwalsertal in den Bregenzerwald, beschloss die Kommune einen geladenen Wettbewerb für ein Haus für Florianijünger, Bergretter und Musizierende aus dem Dorf. Gohm Hiessberger punkteten mit ihrem Entwurf durch die Setzung der Baukörper, die Verschränkung von Funktionen, die gekonnte Einbettung in den steilen Hang, die kontextuelle Formensprache und die Materialisierung in Holz.

Die lose Streusiedlung an der Südflanke des Passes bildet so ziemlich genau die geografische Mitte Vorarlbergs. Die Bevölkerung liegt mit rund 450 Einwohnern nach einiger Talfahrt wieder auf dem Stand von vor rund 150 Jahren. Der Städterin mag es seltsam erscheinen, jedoch im Sinne der kleinen Kreisläufe und der Aufwertung auch der höchsten Bergdörfer wurde auf Kommunal- wie auf Landesebene dem Wunsch eines eigenen multifunktionalen Vereinshauses nachgegeben, welches heute wichtige Infrastruktur und Gerätschaft für den Katastrophenfall bereithält.

Mit großer Leichtigkeit schreiben Gohm Hiessberger mit zwei Bauten die Häuserzeile entlang der Passstraße fort und packen die verschiedenen Funktionen mit großer Selbstverständlichkeit ins äußerst steile Gelände. Daneben zwingen straffe Budgetvorgaben zu einer Komprimierung der Wünsche auf das Notwendige, dementsprechend roh und ungeschönt sind Garderoben und Fahrzeug-Einstellhallen ausgefallen. Angriffslustige Farbgebung und offene Leitungsführung überhöhen den legeren Eindruck und vermitteln Aktionsfreude. Die Schulungs- und Proberäume überraschen durch akkurate Ausführung – edle Täferarbeiten in Weißtanne, dem ehrenamtlichen Einsatz sei Dank, wenn auch da und dort mit mehr Gestaltungswillen, als den Architekten lieb ist. Große Aufmerksamkeit erfahren die Außenräume. Mit ihren wohlüberlegten Oberflächen und Übergängen zelebrieren sie die Wichtigkeit der Funktionen und unterstreichen den öffentlichen Anspruch dieses gelungenen Horts dörflichen Zusammenhalts. (Text: Marina Hämmerle)

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Für den Beitrag verantwortlich: Vorarlberger Architektur Institut

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Verena Konradvk[at]v-a-i.at