Bauwerk

Büro am Augarten
Bereuter Architektur - Wien (A) - 2016
Büro am Augarten, Foto: Nadine Bargad
Büro am Augarten, Foto: Nadine Bargad
31. Dezember 2021 - newroom
An der südöstlichen Kante der barocken Anlage Augarten in Wien Leopoldstadt geht der Blick durch die hohen Rundbogenfenster eines ehemaligen Kaffeehauses zum sogenannten Augartenspitz mit dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben „MuTh“ (2012, archipel architektur kommunikation).

Die Erdgeschoßräumlichkeiten des 1893 errichteten Gründerzeitwohnhauses standen einige Jahre leer, bevor die Sanierung und der Umbau zu Büroräumen begann.
Alle Räume wurden vollständig entkernt und damit die Raumhöhe von fast fünf Metern freigelegt.
Die durch den Hauseingang voneinander getrennten nutzbaren Bereiche - früher Kaffeehaus auf der einen Seite, Lager auf der anderen – wurden durch einen Steg auf Galerieebene miteinander verbunden. Aus Brandschutzgründen wurde er aus Baustahl und Edelstahlseilnetzen ausgeführt.
Die Vollziegel des Deckengewölbes und der bestehenden Mauern an den seitlichen Grundstücksgrenzen und zum Stiegenhaus wurden vom Putz befreit und gereinigt. Alle orthogonal dazu verlaufenden Bestandsmauern wurden mit einer Wandheizung versehen und mit Lehm verputzt. Das matte Ziegelrot kontrastiert nun mit dem hell gestrichenen Lehmputz der umliegenden Wände.

Alle neuen Elemente wurden aus Vollholz gefertigt und unterscheiden sich damit klar vom massiven mineralischen Bestand. Eine Ausnahme macht nur der Fußboden im Erdgeschoß: ein anthrazitfarbener gewachster Betonboden über der Ziegelgewölbedecke des Kellers.
Die neuen Holzelemente, von den konstruktiven über die nichttragenden bis hin zu den Verkleidungen und Möbeln, sind aus heimischem Vollholz gefertigt. Ihre Oberfläche ist geschliffen oder sägerau und blieb unbehandelt. So auch die Treppe und der Fußboden aus Braunkernesche in der Galerieebene. Die diffusionsoffenen Holz- und Lehm-Oberflächen ermöglichen den natürlichen Feuchtetransfer und sorgen für ein gesundes Raumklima.
Die Galerieebene erstreckt sich über den gesamten hofseitigen Bereich und beschränkt sich straßenseitig auf die zur Erschließung nötige Fläche, sowie jeweils einen Arbeitsplatz. Damit bewahrt der Raum vor den Fenstern die uneingeschränkte Höhe. Der Bereich unter der Galerieebene ist im größeren der beiden Büroräume über die Länge von 9,20 m stützenfrei. Dazu wurde die Brüstung der Galerie als Holzfachwerkträger ausgeführt und mit Weißtanne getäfert. Die tragenden Fichtenbalken blieben an der Unterseite sichtbar (Oberfläche in Sichtqualität).
Die Holzarten - Braunkernesche, Fichte, Weißtanne und Ahorn - wurden entsprechend ihrer spezifischen Eigenschaften für die jeweiligen Bauelemente ausgewählt. Ebenso variiert die Art der Oberflächenbeschaffenheit je nach Einsatzbereich: Von strukturiert für Boden und Wände bis fein geschliffen für die Möbel. (Text: Architekten, Bearbeitung: Achim Geissinger)

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