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Details

Adresse
Wilbrandtgasse 37, 1180 Wien, Österreich
Mitarbeit Architektur Maximilian Eisenköck
Stefan Hutterer
Planungsvorgänger
Hans Glas
Bauherrschaft
K100
Tragwerksplanung
Norbert Schmiedehausen
Fotografie
Stefan Oláh
Weitere Konsulent:innen
Bundesdenkmalamt: Wolfgang H. Salcher
Historische Aufarbeitung: Caroline Wohlgemuth
Metalloberflächen (Befundung und Restaurierung): Elisabeth Krebs
Putzoberflächen (Befundung und Restaurierung): Claudia Riff-Podgorschek
Stein und Kunststein (Befundung und Restaurierung): Martin Pliessnig
Holz (Befundung): Stefan Kainz
Gartenanlage (Befundung): Ulrike Krippner
Maßnahme
Revitalisierung
Planung
01/1932 - 01/1933
Ausführung
01/1933 - 01/1934
Grundstücksfläche
1.460 m²
Bruttogeschossfläche
435 m²
Nutzfläche
333 m²
Bebaute Fläche
234 m²

Nachhaltigkeit

Die Restaurierung der Villa Rezek versteht Nachhaltigkeit als verantwortungsvollen Umgang mit historischer Substanz: Bestehende Materialien und Konstruktionen wurden erhalten und weiterverwendet, anstatt sie durch neue Systeme zu ersetzen. Dadurch bleibt nicht nur die architektonische Qualität eines bedeutenden Bauwerks der Moderne bewahrt, sondern auch der Ressourcenverbrauch minimiert. Nachhaltigkeit zeigt sich hier als langfristige Sicherung kulturellen Erbes und als Weitergabe eines authentischen Gebäudes an künftige Generationen.

Energiesysteme
Gas-/Ölbrennwertkessel
Materialwahl
Mischbau

Ausführende Firmen

Baumeisterarbeiten: Swietelsky AG; Fenster und Türen: Tischlerei Eduard Sadofsky; Glaserarbeiten: Glas Stadler GmbH; Anstreicher: Franz Fischer GmbH; Maler und Fliesenlegerarbeiten: Bau-Star; Kunstspengler: Ludwig Kyral; Spenglerarbeiten CK-Dach; Elektriker: AC/DC Elektroinstallationen; Installateur: Installateurmeister Alfred Peböck; Speiseaufzug: Hanns Füglister GesmbH Aufzugfabrik; Tischlerarbeiten: Gerald Ratheyser; Terrazzo: Hartmann Terrazzo

Publikationen

Das Glas Haus Wien 1933, Vertriebene Visionen, Hrsg. Caroline Wohlgemuth, Maximilian Eisenköck, Park Books, Zürich, .
Buch: Das Glas Haus: Wien 1933. Vertriebene Visionen, Park Books, Zürich 2025, ISBN 978-3-03860-445-7.

Buch: Villa Rezek – Conservation Management Plan, Simb Verlag, Wien 2023, ISBN 978-3-9505291-5-9.

Weiters Artikel in die Presse; der Standard; ORF

Links

Karte

Pläne

Presseschau

3. Januar 2026 Maik Novotny
Der Standard

Die Villa Rezek – das rekonstruierte „Glas-Haus“

Mit der Villa Rezek ist ein vergessener Schatz der Wiener Moderne wiederentdeckt worden. Jetzt erschien auch ein Buch über die Familie Rezek und ihr Haus

Die Wilbrandtgasse in Wien-Währing folgt dem grünen Kamm eines Ausläufers des Wienerwaldes. Steigt man zu ihr hinauf, wird die Luft frischer, kühler, waldiger. Ein Kontrast, der vor 92 Jahren noch deutlicher gewesen sein muss, als in Wien mit Holz und Kohle geheizt wurde und die Tuberkulose noch grassierte, die der Wiener Oberstadtphysikus Dr. August Böhm eine „Wohnungskrankheit“ nannte.

Zu jener Zeit suchte das junge Arztehepaar Philipp und Anna Rezek für sich und die kleinen Kinder Esther und Susanne ein neues Zuhause abseits von Rauch und Enge. Anna, aus einer wohlhabenden jüdischen Familie stammend, hatte soeben geerbt, man investierte in ein neues Haus – eines mit viel Licht, Luft und Sonne. Wie viele jüdischen Wiener Bürger der Zwischenkriegszeit waren die Rezeks der Moderne aufgeschlossen, man interessierte sich für Wissenschaft, Psychologie, Musik, Kunst und die Verbindungen dazwischen.

Dass die Architektur diesen freien Geist der Gegenwart widerspiegeln sollte, verstand sich von selbst. In Hietzing hatte sich das Fabrikanten-Ehepaar Julius und Margarete Beer 1930 von Josef Frank und Oskar Wlach die Villa Beer entwerfen lassen, die Rezeks wählten einen weniger bekannten Architekten: Hans Glas. Ein ideales Grundstück fand sich im September 1932 in der Wilbrandtgasse 37. Im Frühjahr 1934 zog die junge Familie ein.
Licht, Luft, Sonne

Den Wunsch nach Licht, Luft und Sonne hatte Hans Glas perfekt umgesetzt. Vier Geschosse mit nach Süden orientierten Terrassen, deren weiß lackierte Metallgeländer an die Reling von Schiffen erinnerte. Große Fenster mit ausgeklügelten Mechanismen, die ursprünglich für Tuberkulose-Spitäler entwickelt wurden. Ein Wintergarten, dessen Fensterfront sich komplett im Boden versenken ließ. Auch die Ausstattung der Küche war für damalige Verhältnisse High-Tech: Elin-Elektroherd, amerikanische Sunbeam-Küchenmaschine, Electrolux-Kühlschrank, Speisenaufzug. Das nach Süden orientierte Wohn- und Esszimmer bot Raum für Klavierabende, an der schattigen Straßenseite wurde eine Bibliothek und ein kleines Labor für die Behandlung der Patienten von Philipp Rezek eingerichtet. Für den steil abfallenden Garten schuf der Landschaftsarchitekt Albert Esch eine Fortsetzung der Terrassen und Räume im Freien.

Doch das weltoffene, moderne Wien war bedroht, und der Einmarsch der Nationalsozialisten 1938 beendete es abrupt. Die Rezeks flohen in die USA und ließen sich in Miami nieder, die Bibliothek und die Möbel wurden in Containern verschifft, das Haus wurde „arisiert“. Zwar wurde es nach dem Krieg 1953 restituiert, doch die Rezeks wollten nicht ins Österreich der Shoah zurück und verkauften es umgehend weiter.

Heute lässt sich wieder nachspüren, wie der moderne Wohnalltag der Rezeks vor der Vertreibung ausgesehen hat – und dabei sah es noch vor wenigen Jahren nicht danach aus. Denn als die Villa 2010 unter Denkmalschutz gestellt wurde, rissen die damaligen milliardenschweren Besitzer die noch erhaltenen Einbauten komplett heraus. Ein zweiter Akt der Verwüstung, der 72 Jahre nach der Vertreibung. Die Provinzialität, auf die Wien nach Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bürger zurückgeschrumpft war, schien zu triumphieren.
Spurensuche nach Möbel

Doch dann kam der junge Architekt Max Eisenköck ins Spiel, der die Villa Rezek von 2020 bis 2024 in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt restaurierte. Er stellte die zerstörten Einbauten wieder her, begab sich auf Spurensuche nach Möbeln und nahm Kontakt zu den Enkelkindern der Familie Rezek auf. „Ich habe mir die Frage gestellt, wie man rekonstruiert, wenn es kaum Spuren und Substanz gibt“, sagt Eisenköck. „Im Laufe des Projektes hat sich eine Dynamik ergeben, die immer mehr in Richtung Wiederherstellung des Urzustandes von 1933 ging. Bei der Restaurierung mussten wir vielerorts auf die Suche nach Spuren in der Substanz gehen.“

Heute ist das Haus bei Führungen für die Öffentlichkeit zu besichtigen – eine Erfahrung, die manche Erwartungen korrigiert, so Eisenköck. „Viele Besucher waren anfangs irritiert, weil sie sich aufgrund der modernen äußeren Erscheinung ein Bauhaus-Interieur erwartet hatten. Die Wiener Moderne von Adolf Loos und Josef Frank zeichnete sich jedoch durch eine ganz andere, behaglichere Möblierung und Ausstattung aus, die vom Biedermeier und der englischen Wohnkultur geprägt war.“

Ein lediglich hübsch anzuschauendes Möbelmuseum soll die Villa Rezek jedoch nicht sein. Denn im Zuge der Restaurierung hat das Haus immer mehr begonnen, zu erzählen. „Zu Beginn war das Projekt sehr architekturlastig, dann kam nach und nach immer mehr Zeitgeschichte dazu. Es geht mir nicht in erster Linie um das Haus selbst, sondern darum, die Geschichte erlebbar zu machen.“

Dialog mit der Geschichte

Diese Zeitgeschichte lässt jetzt, hervorragend aufbereitet, in einer Buchpublikation der Kunsthistorikerin Caroline Wohlgemuth nachlesen. Der Titel Das Glas Haus: Wien 1933. Vertriebene Visionen macht bereits deutlich, dass hier die Erinnerungsarbeit im Vordergrund steht. Es ist kein dekoratives Coffee-Table-Book, und auch Stefan Oláhs schöne Fotografien des heutigen Zustands verstehen sich als Dialog mit den gleichen Blickwinkeln der Bilder aus den frühen 1930er-Jahren.

„Glas-Haus“ – das ist auch jener Name, den die Rezeks und ihre Enkelkinder dem Wohnhaus selbst gaben. Es zeugt auch vom Respekt der Bauherren für den Architekten. „Hans Glas hatte ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis zur Familie Rezek“, sagt Caroline Wohlgemuth. „Er hat den Kindern erklärt, wie die Fenster funktionieren und er hat auch die Räume für die Dienstboten auf deren Bedürfnisse abgestimmt.“

Vor allem aber lässt das Buch anhand der Geschichte von Familie und Villa Rezek eine kulturelle Blütezeit wieder aufleben, was deren brutales Ende in um so schärferen Konturen spürbar macht. „Erzwungene Emigrationen wie diese bedeuteten neben all den menschlichen Tragödien auch das abrupte Ende der Blüte moderner Architektur und der Wiener Wohnkultur“, heißt es im Buch. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die meisten vertriebenen Künstler und Architekten nicht mehr nach Österreich zurück. „Der Verlust war unwiederbringlich – ein Riss in der Zeit, gefolgt von jahrzehntelangem Verschweigen, Verdrängen und Vergessen.“ Eine Rekonstruktion kann den Riss in der Zeit zwar nicht heilen – aber sie kann das Verschweigen und Vergessen beenden.

Buchtipp: Caroline Wohlgemuth, Maximilian Eisenköck, Stefan Oláh,„Das Glas Haus. Wien 1933. Vertriebene Visionen“, 192 Seiten/EUR 40,50, Park Books 2025

19. Januar 2022 Daniel Kalt
Spectrum

Villa Rezek: Wie restauriert man seriös?

Jahrzehntelang fristete die Villa Rezek von Architekt Hans Glas in Wien-Währing ein Dornröschendasein – nun wird sie sorgfältig restauriert. Dabei wird auch die Bauhistorie untersucht.

Die Villa Rezek, ein Hauptwerk von Architekt Hans Glas, hatte Glück: 2010 wurde das atemberaubend großzügige, lichtdurchflutete Terrassenhaus des Baujahres 1933 unter Denkmalschutz gestellt. Erstaunlich spät, könnte man meinen. Früh genug, um es für die Nachwelt zu retten. „Ein Abbruch wäre für einen Investor sehr reizvoll gewesen, das erforderte eine rasche Unterschutzstellung“, so Wolfgang Salcher, stellvertretender Leiter der Abteilung Wien im Bundesdenkmalamt. Die Villa liegt sehr versteckt im vornehmen Wiener Bezirk Währing über Pötzleinsdorf. 229 Quadratmeter Baufläche, 975 Quadratmeter Garten. 2019 erwarb sie ein Bauherr, der sich ihres Wertes bewusst ist, und beauftragte Max Eisenköck mit einer Sanierung – wieder als Wohnhaus. Ein Glücksfall.

Jahrzehntelang hatte die Villa Rezek den Wahrnehmungsradius der einschlägigen Fachwelt nicht einmal tangiert. Friedrich Achleitner war sie aber bei seiner Feldforschung nach architekturhistorischen Kleinodien nicht entgangen: „Eines der bedeutendsten und wohl auch mysteriösesten Wiener Häuser der frühen Dreißigerjahre. Schon der Name des Architekten wirkt wie ein Pseudonym“, steht in seinem Standardwerk „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“. „Das Haus selbst zeigt in der inneren Wegführung und in der rigorosen Terrassierung des Baukörpers eine gewisse Nähe zu Adolf Loos, wirkt aber in der allgemeinen Gestik etwas freier. Interessant ist auch, dass die Terrassierung sowohl nach Osten (quer zum Hang) als auch nach Süden (mit dem Hang) durchgeführt wurde.“ Grundriss und Foto ergänzen den Text: ein Ritterschlag in dem komprimierten Werk.

Die Wiener Moderne war Forschungsschwerpunkt von Architekturhistorikerin und „Spectrum“-Autorin Iris Meder. Die Villa Rezek rezipierte den internationalen Stil sehr früh, Architekt und Bauherren bezeugen die immense Bedeutung des jüdischen Bürgertums für die Moderne in Wien – und dessen Ausrottung. Meder verfasste das Gutachten, das die Basis der Unterschutzstellung bildete. Seit 2020 wird die Villa als Best-Practice-Beispiel der Denkmalpflege restauriert. „Erstmals folgen wir hier einem Conservation Management Plan (CMP). Alle Stakeholder – Bundesdenkmalamt, Restauratorinnen, Eigentümer, Architekt – sind in die Lösungsfindung eingebunden“, so Salcher.

Die Rolle der Architektenteams ist essenziell, denn Parameter wie Barrierefreiheit, Fluchtwege, Statik, Haustechnik, Brandschutz sind kaum verhandelbar. Der CMP umfasst auch die künftige Erhaltung und Vermittlung des Denkmals, er ist quasi ein Wartungsbuch. Das Bundesdenkmalamt subventionierte ebenso die wissenschaftliche Untersuchung von Bauhistorie, Putz, Stein, Beton, Holz und Metall. Restauratorin Claudia Riff-Podgorschek befundete die Wandflächen: Der originale Putz war beige-sandfarben. Die Vorstellung einer „weißen Moderne“ ist vor allem der Schwarz-Weiß-Fotografie ihrer Zeit geschuldet, die Villa Rezek trägt nun wieder Ocker. „Wir brachten den Kratzputz auf Kalkbasis in historischer Technik auf“, sagt Eisenköck, „ohne Zement, ohne Kunstharz, diese Wand atmet.“ Vollwärmeschutz gibt es keinen – dafür schlanke Vordächer. „Man kann so ein Haus nicht komplett einpacken, ein Oldtimer wird mit einem E-Motor auch nicht nachhaltiger.“ Details sind in der reduzierten Formensprache der Moderne besonders wichtig. Eisenköck untersucht und rekonstruiert sie akribisch. Die Steinbrüstung der Treppe, die sich so hochelegant von der Halle – mit Blick in den Wohnsalon und einem Richtungswechsel in den ersten Stock – windet, ist rekonstruiert. „Wie saniert man solche Details seriös? Man kann sich über Fotos mit Beschreibungstext oder das Studium anderer Objekte der Bauzeit annähern und je nach Priorität Rückschlüsse ziehen.“ Eisenköck hat viele Bauten besucht und ist einschlägig belesen. „Bei dieser Brüstung haben wir zwei Marmorplatten im Fuchsbau des Gartens gefunden. Dank der Löcher der Schrauben, mit denen der Metallkorb für die Pflanzen befestigt war, konnten wir sie richtig zuordnen.“ Die Villa Rezek war oft publiziert: Die britische Kunstzeitschrift „The Studio“ brachte 1936 einen Beitrag mit Fotos von Franz Mayer, die auch das Innere zeigten. Materialien, Farben, Möbel, alles war genau beschrieben. So erfuhr man, dass Schmutzwäsche durch Rohre von den oberen Etagen in die Wäscherei befördert wurde und Sonnenterrassen mit Duschen ausgestattet waren.

Souverän nimmt die streng abgetreppte, aus mehreren gestapelten Quadern komponierte Villa mit vier Wohn- und einem Untergeschoß das Gelände so in Besitz, dass sich das Panorama über die sonnenbeschienene Stadt wie auf dem Serviertablett präsentiert. Jede Ebene hat eine Terrasse, seitlich treppen sich zwei kaskadenartige Außenstiegen den Hang hoch, für den es von Gartenarchitekt Albert Esch einen Bepflanzungsplan gab. Den Wintergarten kann man mit etwas gutem Willen als Variation des Wintergartens der Villa Tugendhat von Mies van der Rohe in Brünn (1929/30) interpretieren. Dort reicht er über die gesamte Schmalseite der Wohnebene, in Wien ist er am Eck eingeschnitten. Parallelen lassen sich finden. So waren auch die Fenster des Wintergartens der Villa Rezek zur Gänze im Boden zu versenken. Dass sich die Scheiben vor die Wände des darunterliegenden Dienstbotenzimmers schoben, störte keinen.

Wie die Familie Tugendhat kam auch das Ärztepaar Rezek aus dem assimilierten jüdischen Bürgertum. Philipp Rezek ordinierte in der Bibliothek mit angeschlossenem Laboratorium. Anna Rezek war Teilhaberin der Papierfabrik Bunzl & Biach, für Hugo Bunzl plante Josef Frank 1935 eine Villa. Einige Familienmitglieder kamen in Konzentrationslagern um, dem Ehepaar Rezek gelang mit ihren zwei Töchtern 1938 die Flucht, Architekt Glas ging nach Kalkutta.

Die Rollladenkästen der Fenster, die in den Parapeten des Wohn- und Esssalons verschwinden konnten, waren noch im Original vorhanden. Es sind „Nikolaus Patentschiebefenster“, wie es sie damals in vielen Lungenheilanstalten gab. Mit der Tischlerei Sadofsky arbeiteten Architekt und Restaurator an einer Rekonstruktion des Mechanismus. Beim dritten Prototyp klappte es.