Zeitschrift

TEC21 2012|13
Gemeinschaft im Alter
TEC21 2012|13
zur Zeitschrift: TEC21
Verlag: Verlags-AG
«Kommt es zum 50. Geburtstag, den er seit Jahren gefürchtet hat, so ist er erstaunt: Er hat immer gemeint, einer mit 50 sei ein älterer Mann», schreibt Max Frisch in ­einem seiner Tagebücher[2]. Alter – das hört sich zunächst für die meisten von uns weit weg an. Das gefühlte Alter hat wenig mit dem biologischen zu tun, und so tönt der Begriff ­«Alter» immer nur tauglich für andere – aber für einen selbst? Wohl in der Hoffnung, uns damit zu erreichen, haben die Werbestrategen der Immobilienwirtschaft deshalb ein « » hinter die Lebensjahrzehnte gesetzt. Doch die versuchte Vermessung der Zielgruppe «Rentengeneration» ist mit Vorsicht zu geniessen: Wann sind wir «50 » und wann alt? Wann haben wir jene «zweite Lebenshälfte» erreicht, in der wir angeblich über den Ausstieg aus dem Berufsleben und zukünftige Wohnwünsche nachzudenken beginnen?

Statistisch gesehen beginnt die zweite Lebenshälfte für Männer des Jahrgangs 1964 in der Schweiz mit 41.5 Jahren, für Frauen mit 44 Jahren.[3] Bei genauer Betrachtung befinden sich also viele von uns bereits mitten in der zweiten Lebenshälfte. Die Ansprüche an das Wohnen unterscheiden sich aber aufgrund ganz persönlicher Vorlieben und Einschränkungen und nicht nur infolge unseres Alters.

Dieses Heft von TEC21, die zweite Ausgabe unserer Reihe «Hindernisfrei»[4], ist Wohnkonzepten für das selbständige Wohnen und Leben im Alter gewidmet. Die heutigen und zukünftigen Generationen älterer Menschen – die Altersgrenze wollen wir hier bewusst offenlassen – haben aufgrund ihres hohen Lebensstandards, ihrer guten gesundheitlichen Verfassung und der zunehmenden Individualisierung unserer Gesellschaft andere, persönlich geprägte Ansprüche an die Wahl ihrer Wohnung als noch die Generationen unserer Eltern und Grosseltern («Für eine selbständige zweite Lebenshälfte», S. 22). Der Entschluss, in eine Alterssiedlungen zu ziehen, ist daher oft vor allem eine Entscheidung gegen das Alleinsein. Dafür bietet sich von genossenschaftlich verwalteten Siedlungen mit integriertem Dienstleistungsangebot bis hin zu selbst organisierten Wohngemeinschaftsmodellen ein Spektrum an Möglichkeiten. In diesem Heft stellen wir drei Alterssiedlungen vor, die stellvertretend für die heute angebotenen Konzepte stehen («Gegen die Einsamkeit», S. 27).

Tina Cieslik, Andrea Wiegelmann

Anmerkungen:
[01] Leben wie ich will. Autonomes Wohnen im Alter, Kontrast, Zürich 2010
[02] Max Frisch, Tagebuch 1966–1971, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972
[03] Jacques Menthonnex, Philippe Wanner, Kohortensterbetafeln für die Schweiz. Geburtsjahrgänge 1880–1980, Bundesamt für Statistik, Bern 1998, S. 60/61
[04] Ausgabe 1: «Special needs» (TEC21, 38/2011)

05 WETTBEWERBE
Mehrgenerationenhäuser Schenkon LU | Hindernisfreies Bauen in Basel

08 PERSÖNLICH
«Architektur bildet Grundwerte ab» | Leserbrief

12 MAGAZIN
Zufallsprodukt Landschaft | Ironisch ruinenhaft | Bücher

22 FÜR EINE SELBSTÄNDIGE ZWEITE LEBENSHÄLFTE
François Höpflinger
Auch im Alter selbstbestimmt zu leben, wünschen sich die meisten Menschen. Oft kommt dazu ein Bedürfnis nach Gemeinschaft – nicht als Alternative zur individuellen Selbständigkeit, sondern als Ergänzung. Dies führt zur Gründung individueller Wohnmodelle, wie Hausgemeinschaften oder Mehrgenerationenwohnen.

27 GEGEN DIE EINSAMKEIT
Tina Cieslik, Andrea Wiegelmann
Mit den Babyboomern kommt eine Generation in die Nachberufsphase, die sich durch hohen Lebensstandard und eine gute Gesundheit auszeichnet. Diesen Menschen stellt sich die Frage nach dem künftigen Wohnmodell – drei Projekte für selbständiges Wohnen im Alter im Vergleich.

37 SIA
Verlust des Honorars | Befangenheit und Ausstandsgründe

45 PRODUKTE

53 IMPRESSUM

54 VERANSTALTUNGEN

teilen auf

Weiterführende Links:
Verlags-AG der akademischen technischen Vereine

Tools: