Zeitschrift

tec21 2006|46
Lärmschutz
tec21 2006|46
zur Zeitschrift: TEC21
Verlag: Verlags-AG
Lärm ist fast überall

Die aktuelle Mediendominanz der Kontroversen um den Fluglärm, insbesondere im Umfeld des Flughafens Kloten, hat die Öffentlichkeit beinahe vergessen lassen, dass ein grosser Teil der Menschen in der Schweiz primär unter den Lärmemissionen des Landverkehrs zu leiden hat. Angesichts des emotionalen Gesprächsklimas ist es deshalb angebracht, sich die gesamtschweizerisch relevanten Verhältnisse bezüglich Lärmbeanspruchung in Erinnerung zu rufen:
Gemäss den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO sind rund 30 % der Schweizer Bevölkerung, in fast allen besiedelten Gebieten, heute immer noch übermässigen Lärmemissionen des Strassen- und Eisenbahnverkehrs ausgesetzt. Viele davon rund um die Uhr, andere mit extremen tageszeitlichen oder saisonalen Schwankungen, und in vielen Fällen in nachgewiesenermassen die Gesundheit schädigendem Ausmass. Es besteht heute weiterhin dringender Handlungsbedarf für Lärmschutzmassnahmen an Verkehrsachsen, nicht an einzelnen Stellen mit Spitzenwerten, sondern landesweit, entlang der Hautverkehrsachsen flächendeckend.

Im Unterschied zur Situation beim Fluglärm sind beim Strassen- und Eisenbahnlärm die technischen Mittel für eine wirksame Reduktion der Emissionen bekannt und erprobt. Und der politische Wille zu ihrer Umsetzung ist im Prinzip überall vorhanden und breit abgestützt: Die Grundlage für Massnahmen zum Lärmschutz in der Schweiz ist die 1986 erlassene Lärmschutz-Verordnung (LSV) mit Immissionsgrenzwerten (IWG), unter anderen für den Lärm von Strassenverkehr und Eisenbahnen.

Durch die 1987 in Kraft gesetzte LSV besteht für die Strasseneigentümer der gesetzliche Auftrag, ihre übermässig lärmigen Strassenabschnitte zu sanieren. Für Strassenverkehrsanlagen wird heute geschätzt, dass rund 550 000 Personen Lärmbelastungen über dem für Wohnzonen festgelegten IGW von 60 db A ausgesetzt sind. Die lärmtechnische Sanierung dieser Gebiete, die gemäss LSV ursprünglich bis 2002 hätte abgeschlossen werden sollen, ist gegenwärtig, meist als Folge von Sparmassnahmen, erst zu rund einem Drittel realisiert worden. Im Jahr 2004 sind die Sanierungsfristen für Nationalstrassen bis 2015 und für Haupt- und übrige Strassen bis 2018 verlängert worden. Die Gesamtkosten der anfallenden Sanierungen wurden 2004 auf rund 3.4 Mia Franken geschätzt, die aktuellen Kosten dürften erheblich höher sein. Hier bieten neue technologische Ansätze, wie lärmreduzierende Beläge, ein zukunftsträchtiges Sparpotenzial.

Bei der Eisenbahn ist die Lärmsanierung vor einigen Jahren angelaufen, um die rund 265 000 Personen zu schützen, die über dem IGW belastet sind. Die Sanierung des Rollmaterials sollte bis 2009, die Erstellung der baulichen Lärmschutzmassnahmen bis 2015 abgeschlossen sein.

Nach Abschluss der Lärmsanierungen wird die Schweiz nicht frei von (Land)verkehrslärm sein. Wenn dieser für die gesamte Bevölkerung ein erträgliches Ausmass aufweist und keine lärmbedingten gesundheitlichen Störungen mehr auftreten, wird das Ziel der Lärmschutzplanung erreicht sein. Wenn es möglich wird, dieses Schutzziel ohne Hunderte von km Lärmschutzmauern zu erreichen, wenn die unumgänglichen Lärmschutzbauten polyvalent nutzbar sind und wenn sie auch architektonisch innovativ sind, können die leisen Verkehrswege der Zukunft vielleicht auch unerwartete, positive soziale und wirtschaftliche Entwicklungen auslösen. (Daten: Bundesamt für Umwelt BAFU, www.umwelt-schweiz.ch)
Aldo Rota

Lärmschutz mit Drain-Asphalt
Thomas Hirt, Andreas Steiger
Im Urner Reusstal wird die Betonfahrbahn der A2 aus den 1970er-Jahren durch einen «Flüster-Belag» ersetzt. Lärmschutzwände sind nur lokal vorhanden, teilweise haben sie eine Zweitfunktion als Hochwasserschutz.

Schallfeldprognosen bei Lärmschutzbauten
Kurt Heutschi
Durch Labormessungen mit verkleinerten Modellen kann die Schallausbreitung an Verkehrsbauten untersucht werden. Eine rechnerische Simulation veranschaulicht die Schallemissionen einer geplanten neuen Tramlinie in Zürich.

Elektrizität im Hochbau
Martin Lenzlinger
Die revidierte Norm SIA 380/4 «Elektrische Energie im Hochbau» soll zu einer rationellen Verwendung von Elektrizität in Bauten und Anlagen beitragen. Neue SIA-Tools helfen bei der Anwendung.

Wettbewerbe
Dem Kanal entlang: Am aargauischen Wasserschloss soll gebaut werden. Ein privater Grundeigentümer führte in Gebenstorf einen Studienauftrag durch

Magazin
Ausstellung: Jean Prouvé / Strom aus Wasserkraft / Davos setzt auf Erdwärme / Beschwerderecht der Umweltorganisationen / Publikation: Haustechnik-Planung / Denkmalpfleger befürchten Sanierungsmoratorium / Korrigenda

Aus dem SIA
Geschäftslage im 3. Quartal: unvermindert steigender Auftragseingang / Umsicht: zehn Auszeichnungen / Präsidentenkonferenz: Fokus für 2007 und Budget

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