Vom Amen zum Volltreffer Österreichischer Bauherr:innenpreis 2026
Am Freitag wurde der Österreichische Bauherr:innenpreis 2026 vergeben. Einer der Preise ging an das revitalisierte Jesuitenrefektorium am Rosenhain, in dem sich heute Sportinstitute der Uni Graz befinden. Ein Besuch vor Ort.
Unterm schmiedeeisernen Tor hindurch, ein bisschen wie ein romantischer, eisengewordener Rosenbogen, und dann zehn Minuten den Hügel hinauf, vorbei an Sportplätzen und hölzernen Wohnbalkonen, rechts ein Wäldchen, links eine Spielwiese, gut frequentiert von zwei- und vierbeinigen Parkbesuchern, bis man schließlich, nach 700 oder 800 Schritten oder so, vor jenem Gebäude steht, das bis vor wenigen Jahren noch eine verfallene, durchfeuchtete, von der Natur zurückeroberte Mauerwerksruine war.
Heute wird das ehemalige Jesuitenrefektorium, errichtet Mitte des 17. Jahrhunderts, irgendwo an der Schnittstelle zwischen Reformation und Gegenreformation, als Institutsgebäude der Uni Graz genutzt, genauer gesagt als Heimat der Institute für Sport, Gesundheit und Bewegungswissenschaften, wie der schwarz-gelben Tafel neben dem Portal, Aigner-Rollett-Allee 39, zu entnehmen ist. Das Amen ist längst Geschichte, durchtrainierte Mucki-Menschen mit Laptop- und Sporttasche gehen stattdessen im Minutentakt ein und aus, um sich im Hörsaal zur Praxis die Theorie anzueignen.
Graffitibeschmierte Ruine
„Die meisten Grazer kennen das Gebäude als Rosenhof, als graffitibeschmierte Ruine inmitten des Rosenhains“, sagt Peter Riedler, Rektor der Universität Graz. „Und ja, es gehörte schon eine ordentliche Portion Vision dazu, um dieses Projekt in Angriff zu nehmen. Aber mit so einer historisch wertvollen Substanz, die unter Denkmalschutz steht und die sich noch dazu in öffentlichem Besitz befindet, nichts zu tun – das wäre ziemlich unverantwortlich gewesen. Also haben wir uns entschieden, Geld in die Hand zu nehmen und ein Bieterverfahren zu starten.“
Die anfängliche Idee, hier ein Boarding-House zu errichten, landete kurz darauf in der Schublade. Nach einigen Jahren im bürokratischen Dornröschenschlaf wurde das 2015 gewonnene Bieterverfahren angesichts dringend benötigter Lehr- und Verwaltungsflächen umfunktioniert und mutierte auf diese Weise in ein Institutsgebäude für die Sportfakultät – mit Audimax für rund 170 Personen, diversen Seminarräumen sowie Institutsräumlichkeiten in den beiden Dachgeschoßen. Um die zum Leben wiedererweckte Ruine mit geothermischer Energie zu versorgen, wurden hinter dem Haus 120 Meter tiefe Sonden, 21 Stück an der Zahl, in den Boden gebohrt.
Und die Architektur? „Bei so einem geschichtsträchtigen, aber größtenteils zerstörten Haus gilt es, alles zu retten, was noch da ist“, sagt Architektin Jasmin Leb-Idris, Partnerin im Grazer Büro Leb Idris Architektur. „Also haben wir das alte Mauerwerk und die steingefassten Tür- und Fensterlaibungen im Originalzustand erhalten und nur mit einer Kalk-Sand-Schlämme beschichtet, sodass die Struktur aber noch gut ablesbar bleibt. Rückseitig haben wir das Haus mit massiven Wänden aus Dämmbeton erweitert, und das gesamte Dach wurde mit Holzleimbindern und metallischer Dachhaut rekonstruiert.“
Mut zur Vision
Unterm Strich entspricht die Kubatur jener Silhouette, auf die der Spätrenaissancebau seinerzeit von den Jesuiten erweitert worden war, ehe diese zugebauten Teile im Zweiten Weltkrieg einem Bombentreffer zum Opfer fielen. Die klare Ablesbarkeit zwischen Alt und Neu, die roughe, industrielle, gänzlich unverputzte Ästhetik in den Oberflächen und vor allem der Mut und die Vision der Universität Graz und der GBG Gebäude- und Baumanagement Graz GmbH als Auftraggeberinnen führten zur Entscheidung, das ehemalige Jesuitenrefektorium am Rosenhain mit dem Österreichischen Bauherr:innenpreis 2026 auszuzeichnen.
Am Freitagabend wurde der Preis in der Grazer Helmut-List-Halle feierlich übergeben, und neben dem Jesuitenrefektorium der Uni Graz wurden aus insgesamt 131 Einreichungen noch fünf weitere Preise vergeben und 17 Nominierungen gewürdigt. Verliehen wird der Preis seit 1967, der älteste seiner Art weltweit, von der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs (ZV), und zwar mit dem Ziel, jene Menschen und Institutionen vor den Vorhang zu holen, die ein Bauprojekt nicht planen, sondern überhaupt erst ermöglichen, finanzieren und in Auftrag geben – die Bauherren und Baufrauen.
„Ob ich mich über den Preis freue?“ Rektor Peter Riedler steht vor dem Institutsgebäude, hinter ihm, in erdigen Farben geschlämmt, die Patina von Jahrzehnten und Jahrhunderten, die sorgsam übertünchten Spuren von Vandalismus und Verfall, heute ein mit neuem Leben befülltes Haus zum Lernen und Lehren. „Ich freue mich wie ein Schneekönig! Wir hatten die Intuition und Initiative, und mit dem Büro Leb Idris ist es gelungen, diese Megabaustelle in Angriff zu nehmen. Eine wirklich tolle Zusammenarbeit. Das, was heute dasteht, entspricht zu 99 Prozent unserer Vision. Und es ist der Beweis dafür, was alles geht, wenn alle wollen.“
Im Auftrag der ZV besichtigte die heurige Jury (Lukas Imhof aus Zürich, Katharina Benjamin aus Leipzig, Sonja Hohengasser aus Spittal an der Drau) 23 nominierte Projekte in allen neun Bundesländern. Neben dem revitalisierten Jesuitenrefektorium in Graz wurden folgende fünf Bauten mit dem Bauherr:innenpreis 2026 ausgezeichnet. Villa Beer, Wien, Bauherr: Lothar Trierenberg, Villa Beer Foundation, Architektur: cp architektur, Auböck + Kárász. Kinderkrippe Gabersdorf, Bauherrin: Gemeinde Gabersdorf, Franz Hierzer und Karin Stromberger, Architektur: projekt CC. Kulturbackstube,Innsbruck, Bauherr: Hansjörg Mölk, Architektur: tatanka. Platzgestaltung COOLYMP, Innsbruck, Bauherrin: Stadt Innsbruck, Referat Stadtklima und Umwelt, Janine Bex, Christine Schermer, Architektur: ARGE IB, L.A.U.P. + Machné & Glanzl Architekten. Werkhalle Lehm Ton Erde, Schlins, Bauherr und Architekt in Personalunion: Martin Rauch, Björn Berchtel, Lehm Ton Erde Baukunst GmbH.
verknüpfte Auszeichnungen
- ZV-Bauherr:innenpreis 2026