Bauwerk

art for art house
Gerhard Steixner - Haringsee (A) - 2004
art for art house, Foto: Gerald Zugmann
art for art house, Foto: Gerald Zugmann

Das Haus mit dem Speicherkern

Für das Verwaltungsgebäude der Bundestheater in Haringsee ent- wickelte Gerhard Steixner sein „Solar“-Konzept weiter: Sport- lich-leicht schwebt ein verglaster Raum vor seinem Betonkern- Rückgrat und bietet Büros und Events den idealen Rahmen.

25. März 2006 - Isabella Marboe
Als das Arsenal zu teuer wurde, verfrachteten die Bundestheater ihr Depot nach Haringsee. Etwa 40 km östlich von Wien fiebern die Kulissen dort nun in 30.000-m²-Hallen dem Bühneneinsatz entgegen. Ohne Aufsicht wollte man sie nicht lassen, der rege Kunst-Trans-LKW-Verkehr zwischen Wien und Haringsee bedurfte eines Verwaltungsbüros, das selbstredend das bauherrliche Kulturverständnis vermitteln sollte.

Das Angebot des Totalunternehmers enttäuschte, Architekt Gerhard Steixner überzeugte mit einer wesentlich eleganteren Alternative. 1989 hatte er mit Georg Driendl den „Solar I“-Prototypen realisiert. Dessen innovatives Konzept besteht aus der Kombination eines massiven Speichermassekerns mit vorgefertigten Leichtbauteilen, was rasch liefer- und baubare, preiswerte Haus-Unikate ermöglicht. Individuell geplant, handwerklich vorgefertigt, energieeffizient - nach dem Solar-Prinzip hatte Steixner einige Einfamilienhäuser entworfen. In deren privatem Nutzungsspektrum war das Edelpotenzial des Energie sparenden Kontrastprogramms aus massivem Kern und Leichtbau nicht ausgereizt. Gerhard Steixner witterte Morgenluft. Denn Bauherr „art for art“ war im Raumprogramm sehr offen, bei Architekturanspruch und Kosten umso bestimmter. Am Zufahrtskopf des Areals sollte die Verwaltungsleitstelle der Hochkultur auch Baukultur ausstrahlen, als Acht-Personen-Büro und stilvoller Rahmen für Events nutzbar sein.

Funktionale Anmut

In nur zwei Monaten Bauzeit entstand auf Bundestheaterboden ein „Solar“-Typ in unverfälscht nutzungsneutraler Reinform: ein bestechend funktionaler, kleiner, feiner Bau von tänzerischer Anmut.

Seine Form resultiert aus dem Inhalt, die besondere Ästhetik aus konsequent konstruktiv optimierten, kostenreduzierend klaren Details. Als haltgebendes Rückgrat und Träger aller Basisfunktionen wirkt die schwarz gefärbte Betonwand im Norden, der glasumhauste Wintergarten davor birgt stringent schlüssig Erschließung, Haustechnik, Sanitärkern und Küche.

An einer blickweitenden Scheibe gleitet die Fertigteilstiege hoch, wie durch ein Prisma gebündelt fällt durchs obere Schrägglas die Südsonne auf die Wand, deren energieabsorbierendes Schwarz die Effizienz der Betonkernaktivierung steigert. Davor schwebt auf einer Massivholzdecke ein transparenter Einraum, der fast alles kann: zwischen leichten Holzstützen Raumhoch fix verglast, vier Meter auskragend, sportlich an Zugstreben abgehängt. Fließend rund biegt sich das Glas am Konvektorband ums weiche Eck, witzig konterkariert von einem rudimentären Lüftungssystem: Acht schmale Türen unterbrechen den Glasfluss, bei Hitze öffnet man sie einfach.

Der ruhige, offene Raum mit der leuchtröhrenbestückten Birkensperrholzdecke und dem tragenden Massivholzboden bietet Kulturevents einen bezugsreichen Panoramarahmen. Sein rundumlaufender, absturzsichernder Handlauf ist sogar balletttauglich, leitungsführende Bodenkanäle ermöglichen Büronutzung, Zwischenwände die bedarfsweise Unterteilung zur Zelle.

Klimapufferzone

In beiläufiger Selbstverständlichkeit schafft die aluminiumverkleidete, indirekt beleuchtete Deckenuntersicht auf zwei Stützen dem Entree einen gedeckten Vorplatz. Rechts ein kleines Büro, links führt eine Fertigteiltreppe über die schwarze Speicherwand auf die Plattform in der Klimapufferzone, wo Sanitärboxen und Kochnische an den Raum andocken, der so souverän vor den Hallen aufsetzt und über ihren Inhalt wacht.

Zum blick- und lichtreichen Wohnen eignet sich der mit Keller, Balkon, Trennwänden u. Ä. ergänzbare Typ natürlich auch: Ein Bauträger kaufte das Konzept, das erste Musterhaus ist im Werden.

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