Bauwerk

Gusswerk Areal
LP architektur, hobby a., Thomas Forsthuber, Christoph Scheithauer - Salzburg (A) - 2008
Gusswerk Areal

Jurytext, Architekturpreis Land Salzburg, 03.12.2008

03. Dezember 2008 - newroom

Die traditionsreiche Glockengießerei Oberascher zog 1919 in den damals neu gegründeten Ortsteil von Bergheim, Kasern. Einige der größten Glocken Europas wurden hier bis 2003 gefertigt. 2004 ist ein Architekturwettbewerb die Basis der Ideenfindung für den privaten Bauherren und der Beauftragung der 3 Architektenteams. Die Kreativindustrie soll die Schwerindustrie ablösen.

Das Konglomerat aus Industriehallen des frühen 20. Jahrhunderts auf dem ca. 35.000 Quadratmeter großen Areal hat in seiner Morbidität natürlichen Charme. Ein nicht ungewöhnliches Bühnenbild in der Selbstdarstellung unserer Modewelt, ein harscher Rahmen für die wechselnden Designkollektionen. Somit ist die Überlebensfrage für das Ensemble der Industriebrache durch die Nutzung beantwortet. Die Arbeitswelt der Kreativindustrie stülpt sich nahtlos über die vorhandenen Strukturen und macht sie sich selbstverständlich zu eigen, den Weiterbestand des gesundgeschrumpften Gießereibetriebes integrierend.

Diese Selbstverständlichkeit setzt sich in den baulichen Implantaten fort, schafft mit großer Gelassenheit ein städtisches Ensemble, Strassen, Gassen, Marktplatz mit Büroturm, Studios wie Reihenhäuschen, Gastronomie und ein Veranstaltungszentrum in den weitläufigen Industriehallen, zwischen Maschinenteilen, die Industrieatmosphäre stets latent, fast wie zwischen der Arbeitsschicht...

Die Qualität der industriellen Substanz wird erkannt und gekonnt mit neuer kraftvoller Architektur ergänzt. Bestes Arbeits- ja Lebensumfeld wird geschaffen, mit hoher Professionalität vom Betreiber verwaltet, eine Ergänzung durch Wohnen und Hotel ist bereits geplant. Der Stadtteil soll wachsen jenseits der Modemonokultur, Flexibilität als Basis des Betreiberkonzeptes, Sollbruchstellen im Nutzermix und in den Baulichkeiten bereits vorausgedacht.

Die Revitalisierung der Industriebrache erfährt hier eine städtebauliche Dimension die sich hoffentlich in der vorhandenen Qualität fortsetzt.

Text: Gerhard Mitterberger

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