Bauwerk

Dorfhaus Steinberg am Rofan
Bernardo Bader - Steinberg am Rofan (A) - 2016
Dorfhaus Steinberg am Rofan, Foto: Günter Richard Wett
Dorfhaus Steinberg am Rofan, Foto: Günter Richard Wett
18. August 2016 - aut. architektur und tirol

Steinberg am Rofan ist eine bäuerlich geprägte Gemeinde mit nicht ganz 300 Einwohnern. In unmittelbarer Nähe der Kirche und des Gemeindehauses wünschte man sich ein neues Gemeindezentrum mit Mehrzwecksaal, kleinem Gasthaus und Dorfplatz, das als sozialer und gesellschaftlicher Treffpunkt zur Wiederbelebung des Dorfzentrums beiträgt.

Auf Basis eines Bürgerbeteiligungsprozesses wurde in Zusammenarbeit mit der Dorferneuerung Tirol ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den Bernardo Bader mit einem Projekt gewinnen konnte, das einfühlsam auf die dorfräumliche Situation reagiert. Ziel war es, eine traditionelle Bauweise zu reaktivieren, ohne in die Abgründe einer vordergründig, heimattümelnden Architektur zu stolpern.

In Fortschreibung der lokalen Bautradition wurde ein kompaktes Satteldachhaus in Lärchenholz errichtet. Der längliche Baukörper ist so parallel zur Straße gesetzt, dass zwei klar definierte Außenbereiche entstanden. Zum einen ein nach Süd-Osten ausgerichteter, mit Steinen ausgelegter Vorplatz mit hoher Aufenthaltsqualität, der im Sommer vom Café genutzt werden kann. Zum anderen spannt sich zwischen Schule, Gemeinde und dem neuen Gemeindezentrum der eigentliche Dorfplatz auf, der für größere Veranstaltungen genutzt werden kann.

Innen ist das neue Gemeindezentrum ähnlich einem traditionellen Bauernhaus (Wohntrakt, Tenne, Stall) in drei Bereiche zoniert. Im vorderen, zu Kirche und Dorfplatz geöffneten Teil ist ein kleines Lokal mit integriertem Bauernladen untergebracht, im hinteren, leicht in den Hang geschobenen Teil der Mehrzwecksaal. Dazwischen liegt ein Foyer, das beide Funktionen erschließt, die bei Bedarf über Faltwände zu einem Raumkontinuum verbunden werden können. Die sehr reduziert und dennoch abwechslungsreich gestalteten Raumfolgen zeichnen sich durch eine hohe Aufenthaltsqualität aus, die von vielfältigen Ein- und Ausblicken geprägt ist.

Sowohl für die Fassade als auch im Innenausbau wurde konsequent unbehandeltes heimisches Holz verwendet, das aus den Lärchen-Waldungen des Rofan-Gebirges stammt und im Dorf verarbeitet wurde. Statische Einfachheit und ein sehr hoher Vorfertigungsgrad der Außenwand- und Deckenelemente garantierten eine kurze Bauzeit.

Insgesamt ist das auf den ersten Blick unspektakulär erscheinende Ensemble aus neuem „Dorfhaus“, bestehendem Gemeindehaus und Kirche ein überzeugendes räumliches Beispiel dafür, wie eine bisher nicht vorhandene Dorfmitte funktionieren kann und kontextuelle Bezüge nachhaltig wirksam werden können. (Text: Claudia Wedekind)

teilen auf

Für den Beitrag verantwortlich: aut. architektur und tirol

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Claudia Wedekindclaudia.wedekind[at]aut.cc