Bauwerk

Sanierung Propstei St. Gerold
Hermann Kaufmann - St. Gerold (A) - 2017
Sanierung Propstei St. Gerold, Foto: Norman Radon
Sanierung Propstei St. Gerold, Foto: Norman Radon
11. April 2017 - vai

Die Propstei St. Gerold liegt an einem Sonnenhang am Eingang ins Große Walsertal. Den historischen Kern der benediktinischen Klosteranlage bilden das Propsteigebäude, die Kirche sowie die Gnadenkapelle. Archäologische Befunde lassen Teile dieser Bausubstanz in das 10. und 11. Jahrhundert datieren, vorwiegend stammt sie aus dem frühen 13. Jahrhundert. Im Lauf der Jahrhunderte erfuhr die Propstei zahlreiche Erweiterungen und Umbauten. Seit den 1960er-Jahren wurde sie sukzessive in einen Ort der Einkehr und Begegnung transformiert und heute ist sie wesentlicher Bestandteil der Vorarlberger Kultur- und Bildungslandschaft.

Im Zentrum der ersten Sanierungsphase standen die Optimierung und Zentralisierung der gastronomischen Infrastruktur. Alle Speiseräume wurden in einem Ökonomiegebäude untergebracht, das früher als Remise und Pferdestall verwendet wurde. In den Räumlichkeiten der Remise befindet sich heute das gleichnamige Restaurant für externe Gäste. In diesem Bereich wurde hofseitig ein Panoramafenster integriert. Hausgäste speisen in der angrenzenden „Geroldstube“. Eine Etage höher befindet sich der einst als Heuboden genutzte und weitgehend im ursprünglichen Zustand erhaltene „Spycher-Saal“, welcher als Festsaal fungiert. Als Erweiterung des Ökonomiegebäudes wurde westseitig ein funktionaler Holzbau angestellt, in dem die zentrale Küche, Mitarbeiter- und Büroräume Platz finden. Die neu angelegte Terrasse auf dem Dach der talseitigen Pferdestallungen steht den Besuchern als Gastgarten zur Verfügung.

Das Hauptaugenmerk der zweiten Etappe lag auf der Sanierung des strukturell veralteten Herbergengebäudes. Die Dachkonstruktion wurde komplett erneuert. Durch eine Erhöhung des Giebels sowie den Einbau von Gauben konnten sechs weitere Einzelzimmer untergebracht werden. In einem Teil des ehemaligen Klosterkellers wurde ein Seminarraum eingerichtet, im angrenzenden Bereich sollen auf längere Sicht weitere Seminarräume sowie Ausstellungsflächen entstehen.

Vom nordseitigen Parkplatz aus wird die Anlage durch einen öffentlichen Zugang erschlossen, der im neu gestalteten und nunmehr auch barrierefrei erreichbaren Klosterhof mündet. Der zum Hof ausgerichtete Haupteingang führt in ein Foyer, das sich im vormals offenen Durchgang zum westseitigen Stallgebäude befindet. Dieser Bereich wurde um ein Souterrain erweitert und konnte dadurch mit dem Restaurant verbunden werden. Damit ausreichend Tageslicht in den unterirdischen Teil dringt, öffnet sich das Foyer galerieartig über dem Klosterladen. Ein zentraler Aufzug gewährleistet die barrierefreie Überwindung der Ebenen.

Die Materialisierung ist insgesamt sehr zurückhaltend. Es wurde auf wenige Materialien reduziert. Diese Homogenität schafft eine Verbindung zwischen den Epochen und Stilen, die in der Propstei aufeinandertreffen. Fichtenholz kommt in Form von neun Meter langen Dielen in der Geroldstube zum Einsatz und findet sich auch als Lamellen an den Decken der Speiseräume und des Klosterladens wieder. Der überwiegende Teil der Böden, Decken, Wandvertäfelungen und Möbel wurde aus unbehandeltem, sägerauem Eschenholz gefertigt, das aus dem propsteieigenen Wald stammt.

In weiteren vier Etappen sollen der nördlich gelegene Riegelbau, das Haupthaus, das „Wyberhus“ und die Kirche saniert werden. (Text: Claudia Klammer)

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Für den Beitrag verantwortlich: Vorarlberger Architektur Institut

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