Bauwerk

Schubhaftzentrum Vordernberg
SUE Architekten - Vordernberg (A) - 2013
Schubhaftzentrum Vordernberg, Foto: Hertha Hurnaus
Schubhaftzentrum Vordernberg, Foto: Hertha Hurnaus
09. Mai 2017 - newroom

Der rund 10.000m² große Neubau ist im Wesentlichen in zwei Bereiche gegliedert: Ein langgestreckter Verwaltungstrakt – etwa ein Drittel der Bausubstanz - steht unmittelbar an der Straße. Von diesem abgewandt, entwickelt sich der kammartig gegliederte Wohntrakt mit ca. 6.500m². Die Höfe dieser Wohnbereiche öffnen sich zu Bach und Berg. Der Schubhaftteil mit seiner fächerartigen Struktur bildet für die neun Wohngruppen jeweils eine individuelle Hofsituation und ist so angelegt, dass die Wohngruppen autark funktionieren. Der Freiraum ist immer einer Abteilung mit etwas mehr als 20 Personen zugehörig und nur von diesen einsichtig. Geölte Lärchenholzfenster bestimmen die Fassade der Wohnbereiche. Wir konnten den Nutzer überzeugen, auf eine Vergitterung der Glasflächen zu verzichten. Schmale Fensterflügel sind zum Lüften und verhindern ein unkontrolliertes Aussteigen. Die Materialien im Inneren entsprechen einer hochwertigen Herberge. Anstatt Materialien zu wählen, die sich nicht zerstören lassen, wurden solche verwendet, die auch bei starker Nutzung gut altern können. An der Schnittstelle zur Behörde bildet der Wohntrakt die Gemeinschaftszonen und durchdringt den formal strengen Verwaltungstrakt.

Nach außen steht das Gebäude mit seiner Stahlbetonfassade ruhig und sachlich da und zeigt mit seinen drei vollflächig verglasten Durchdringungen, was sich im Inneren des Objektes verbirgt. Die Anwesenheit der angehaltenen Menschen in Vordernberg ist durch diese Einblicke sichtbar. Der Verwaltungstrakt übernimmt die Funktion einer Mauer entlang der Straße.

SUE Architekten: "Architektur kann weder die Frage beantworten, wie Europa mit Migration und Flüchtlingen umgeht, noch eine Lösung anbieten, wie Menschen ohne Aufenthaltstitel in Österreich eine Zukunft haben können. Bei den harten Antworten, welche die Europäische Union gibt, erachten wir es allerdings für besonders wichtig, dass den betroffenen Personen in der Zeit, in denen unser Staat für sie die Verantwortung übernimmt, einen Aufenthalt ermöglicht, der ihnen ihre Würde lässt. Alle Assoziationen von Strafe sind hier fehl am Platz.

Die ernsthafte Wettbewerbsauslobung durch das Innenministerium hat Spielräume ermöglicht. Wir sahen es als unsere Aufgabe, diese zu interpretieren und bestmöglich, im oben erklärten Sinn zu nutzen. Die von uns eingebrachten Vorschläge wurden oft hinterfragt, letztlich von unseren Auftraggebern aber konsequent mitgetragen. Dies hat es uns ermöglicht, Wege zu gehen, die in Österreich für die Unterbringung in Polizeianhaltezentren, aber auch Gefängnissen neue Maßstäbe setzen." (Text: Architekten)

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