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Der vorliegende „Schwellenatlas“ liefert – nach zahlreichen bautechnischen Kompendien wie dem Fassaden-, Dach- oder Holzbauatlas – endlich das umfassende Handbuch zur gebrauchsorientierten, kulturell und geschichtlich reflektierten Gestaltung von baulichen Ein-, Aus-, Durch- und Übergängen. Wann wird bei Entwurfsentscheidungen schon je in Betracht gezogen, wie ein automatischer Türschließer seine Nutzer diszipliniert, wie biometrische Zugangskontrolle den Körper fragmentiert oder was Spiegelglas über den Spätkapitalismus aussagt? Dabei verrät eine Auseinandersetzung mit den Hintergründen konkreter architektonischer Bauteile und technischer Gegenstände einiges über die Konventionen und Bedingungen gegenwärtigen Bauens.

Ausgangspunkt dieser Ausgabe ist eine Reihe von Forschungsseminaren über Mikroarchitekturen des Öffnens und Schließens, die an der Assistenzprofessur für Architekturtheorie am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich stattfanden. Mit einem interdisziplinären Ansatz, der aktuelle Untersuchungen zur anonymen Architektur mit Fragestellungen der Technik- und Kulturgeschichte verbindet, richteten die Seminare einen differenzierten Blick auf die Objekte der gebauten Umwelt und ihre Entstehungsgeschichte. Im vorliegenden Heft wird diese Forschung weiterentwickelt und zugespitzt: Ausgehend von spezifischen Bauteilen und technischen Apparaturen der Schwelle addressieren die Autorinnen und Autoren unterschiedliche Diskursfelder des Übergangs, die das Verhältnis zwischen Innen und Außen gedanklich fassen und gleichzeitig die architektonische Praxis mitbestimmen. Das Heft widmet sich der Frage, welchem Wandel die Konstruktion und Bedeutung baulicher Schwellen unterliegen und wie sich Raumauffassungen damit verändern.

Die Beiträge in diesem Heft sind alphabetisch geordnet. Ein Glossar erzählt Episoden der Technik- und Kulturgeschichte von 45 Schwellenelementen, die auf ihre Relevanz für die aktuelle architektonische und räumliche Praxis befragt werden. Für zehn Elemente trugen Autoren aus verschiedenen Disziplinen einen längeren Essay bei: automatischer Türschließer, Drehtür, Fahrstuhl, Fenster, Jalousie, Körper-Scanner, Müllschlucker, Spiegelglas, Strichcode und Telefon. Sie reflektieren die Zusammenhänge zwischen Architektur, Technik, sozialen und kulturellen Bedingungen und fragen damit nach dem Stellenwert von Diskursen über Privatheit, Hygiene oder Sicherheit für die Architektur. Interviews zeigen auf, wie unterschiedlich die Schwelle in den Kulturwissenschaften und in der architektonischen Praxis gedacht wird. Die Bildtafeln des Glossars dokumentieren an Schwellen generierte visuelle Informationen, Anweisungen für den Gebrauch, sowie bauliche Abwandlungen und Umdeutungen von Öffnungen.

Unser besonderer Dank gilt Georges Teyssot, auf dessen grundlegenden Arbeiten zur Schwelle in der Architektur dieses Heft aufbaut.

Elke Beyer, Kim Förster, Anke Hagemann, Laurent Stalder


Dank
Wir danken der Gastredaktion für die hervorragende Aufbereitung des Forschungsmaterials sowie für die gute und unermüdliche Zusammenarbeit während der letzten anderthalb Jahre.
Unser Dank gilt auch der Firma Siedle, die mit einer großzügigen Förderung die Publikation der umfangreichen Forschungsergebnisse ermöglichte.

Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo

02 In memoriam Jonas Geist
05 die stadt von morgen
06 Das neue Porschemuseum
10 Haus Neumann
13 Call for Papers: Urban Reset
14 Das Stachusbauwerk in München
15 An ARCH
18 Global Street Food

132 Baufokus

Schwellenatlas

23 Editorial
24 Einleitung

a
Abfallzerkleinerer
Absperrgitter
Air Curtain
Alarmanlage
Automatische Gesichtserkennung
Automatischer Türschliesser, Bruno Latour

b
Babyklappe
Barrikade
Briefkasten

d
Drehkreuz
Drehtür, James Buzard

e
Elektronische Fussfessel

f
Fahrsteig
Fahrstuhl, Andreas Bernard
Fenster, Georges Teyssot
Fenster
Fensterladen
Firewall
Fussmatte

g
Ganzkörper-Scanner
Garagentor
Gardine
Glory Hole

j
Jalousie, Bettina Köhler

k
Körperscanner, Gillian Fuller
Kontrollraum

l
Lärmsirene
Lüftungsklappe

m
Medienfassade
Mobile Desinfektionsschleuse
Müllschlucker, Alessandra Ponte
Muzak

p
Peepshow
Personenschleuse
Pförtnerloge
Puffer Machine

r
RFID
Rohrpost
Rolltreppe

s
Schachtabdeckung
Schalter
Schaufenster
Schiebetür
Schloss
Schlüssel
Schwelle (1), Christina von Braun im Gespräch
Schwelle (2), Diller Scofidio Renfro im Gespräch
Schwingtür
Sicherheitsschleuse
Spiegelglas, Reinhold Martin
Stechuhr
Steckdose
Strichcode, Christoph Rosol

t
Tapetentür
Telefon, Christoph Asendorf
Thür
Türschild
Türspion
Türsprechanlage

u
Überwachungskamera

w
Wasserhahn
WC

z
Zeitmaschine

Artikel

25. März 2009 Alexandra Correll
ARCH+

Briefkasten

Briefkästen sind die Orte, an denen Postsendungen bei ihrem Transport vom Absender zum Adressaten Station machen. Der klassische Postweg beginnt im öffentlichen Postbriefkasten und endet im privaten Briefkasten des Empfängers. Aber auch im Zusammenhang der elektronischen Post wird von Briefkasten bzw. Mailbox gesprochen, als digitaler Ort, an dem die Mitteilungen eingehen und bleiben, bis sie geöffnet werden.

Öffentliche Briefkästen erlauben das Versenden von Post unabhängig von den Öffnungszeiten eines Postamtes. Sie sind im Besitz der jeweiligen Post eines Landes, befinden sich meistens im öffentlichen Stadtraum und sollen durch einheitliche Kennzeichnung leicht erkennbar sein. Der Privatbriefkasten ermöglicht das anonyme Deponieren von Briefen und Sendungen unabhängig von der Anwesenheit des jeweiligen Empfängers. Als Kasten mit Briefschlitz und Namensschild ist er vor oder hinter der Hauseingangstür platziert. Oft ist er auch als Türklappe oder eigenständiges Objekt außerhalb des Gebäudes ausgebildet. Neben Klingel oder Fußmatte gehört der Briefkasten zu den obligatorischen Einrichtungen im Eingangsbereich eines Hauses. Einen Sonderfall stellt der klassische amerikanische Briefkasten der Vorstädte dar, der Post- und Privatbriefkasten vereint, da aufgrund geringer Besiedlungsdichte die Post durch den Briefträger sowohl geliefert als auch abgeholt wird.

Während der vergangenen Jahrhunderte war die persönliche Übergabe von Botschaften wichtigster Bestandteil des Nachrichtenwesens. Boten wurden beauftragt, Briefe über größere Strecken zu transportieren und unmittelbar dem Empfänger zu überbringen. Dieses System war jedoch hauptsächlich Königen und Regenten vorbehalten. Als Ausnahme lässt sich eine frühe Form der anonymisierten Überbringung in der Seefahrerkultur finden: Im Zeitalter der Entdeckungsreisen legte man Nachrichten an Land unter markierte Steine, damit sie von zurücksegelnden Mannschaften mitgenommen werden. Auf die Oberseite der Steine ritzte man Angaben über Schiff, Kapitän und Datum der Hinterlegung ein.

Im deutschsprachigen Raum findet sich erstmals um 1630 in Breslau die Möglichkeit, Post in einem Kasten am Wachtor zu deponieren. Die Boten auf der Strecke nach Leipzig waren angehalten, sämtliche dort hinterlassenen Briefe gebührenfrei mitzunehmen und abzugeben. Doch obwohl der Briefkasten an Wohnhäusern schon mit Aufkommen des allgemeinen Postverkehrs im 18. Jahrhundert eingeführt wurde, entstanden erst mit der Einführung der Briefmarke (in Deutschland 1849/50) in großer Zahl öffentliche Postbriefkästen, die zu geregelten Zeiten geleert wurden.

Auch heutzutage gibt es noch Postgut, das persönlich überbracht wird. So wird das Einschreiben dem Empfänger direkt in die Hände gegeben und mit Unterschrift gegengezeichnet, um ein sicheres Entgegennehmen zu gewährleisten und dieses auch nachweisbar zu machen. Der Briefkasten selbst wird nicht als sichere Einrichtung begriffen. Vor allem in den USA wird er heute oftmals durch zusätzliche Sicherheitsausstattungen geschützt. Aus Angst vor Postdiebstahl oder der kriminellen Nutzung der eigenen Identität wird der klassische aufgeständerte Blechbriefkasten beispielsweise durch gemauerte Konstruktionen oder aus Stahl geschweißte „Anti-Vandalismus-Tresore am Bordstein“ ersetzt, die mit einem persönlichen Identifikationssystem ausgestattet sind.


Anmerkungen:
Klaus Beyrer (Hg.), Der Brief. Eine Kulturgeschichte der schriftlichen Kommunikation, Heidelberg 1996.
Akiko Busch, The Uncommon Life of Common Objects. Essays on Design and the Everyday, New York 2004.
Manfred Stephan, „Zahlreiche Kasten sieht man hängen“. Kleine Kulturgeschichte deutscher Briefkästen, Heidelberg 1989.

25. März 2009 Anke Hagemann
ARCH+

Drehkreuz

Das Drehkreuz (englisch turnstile) hat seinen Vorläufer in Durchgängen von Weidezäunen: Der Begriff Stile bezeichnet eine Stiege, mit der Menschen die Zäune oder Mauern von Viehweiden übersteigen können.

Drehkreuze bestehen in der Regel aus einem Metallgestänge mit vier Flügeln, die um eine senkrechte Achse kreisen. Die platzsparende Variante, bei der sich drei Arme um einen schräg gestellten Drehpunkt bewegen, wird auch als Drehsperre bezeichnet. Drehkreuze werden in Eingangs- und Durchgangsräumen als Mittel der Zutrittskontrolle verwendet und erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen: Bei Massenandrängen regulieren sie den Fußgängerfluss durch eine Vereinzelung der Personen, die nur nacheinander ein Drehkreuz passieren können. Wie ein Ventil können Drehkreuze mit Hilfe eines Sperrmechanismus die Durchgangsrichtung festlegen.

Darüber hinaus können eingebaute Zähler die Anzahl der Durchgänge festhalten. Ihre Passierbarkeit kann von einem/r PförtnerIn sowie automatisch – durch Münzeinwurf, Ticketscanner oder maschinelle Identifizierung – gesteuert werden. Der Mechanismus des Drehkreuzes automatisiert also den Übertritt räumlicher Grenzen; er ist der physische Erfüllungsgehilfe für die Disziplinierung, Kontrolle und Selektion der Personen, die diese Grenzen überschreiten. Die wichtigsten Anwendungsbereiche des Drehkreuzes sind stark frequentierte oder regulierte Räume wie Sportstadien, Bahnhöfe, öffentliche Verkehrsmittel und Supermärkte oder Büro- und Gewerbebauten mit eingeschränkter Zugänglichkeit.

Im 19. Jahrhundert verbreitet sich das Drehkreuz zunächst in Parks, Zoos, an Piers und Sportstätten. Mit dem Aufkommen des Massensports erlebt es dann gegen Ende des Jahrhunderts einen starken Aufschwung, da es die Besucherströme reguliert und die effiziente Einnahme von Eintritt gewährleistet. 1895 meldet der Engländer Samuel Alfred Nelson Deluce ein Patent über das „Rush Preventive Turnstile“ an, das die Firma WT Ellison aus Salford, Manchester, in den folgenden Jahrzehnten in hoher Stückzahl produzieren wird. Ellison’s Drehkreuz verfügt über ein Fußpedal, mit dem die KassiererInnen das Drehkreuz steuern können, um nur zahlenden BesucherInnen den Durchgang zu gewähren. Ein verplombter Zähler kontrolliert wiederum den/die KassiererIn und verhindert, dass dieser Gäste umsonst auf das Gelände lässt.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts wird die Funktionsweise des Drehkreuzes durch zahlreiche technische Entwicklungen verbessert, ergänzt und an unterschiedliche Anwendungsbereiche angepasst. So spielt das Drehkreuz beim Siegeszug des Supermarkts eine wichtige Rolle: Am Eingang bestimmt es die Bewegungsrichtung der Kunden und gewährleistet, dass der Verkaufsraum nur durch die Kassenschleuse verlassen werden kann. Schon im ersten Supermarkt, dem Piggly Wiggly Store, der 1916 in Memphis eröffnet, sind Drehkreuze am Eingang installiert. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird durch Drehkreuze die Zahlung und Kontrolle der Fahrscheine automatisiert. Bereits 1911 sollen verbesserte Drehkreuzmechanismen in amerikanischen Personenzügen eine „Pay-as-you-enter“-Funktion ermöglichen und damit nachlässige KondukteurInnen ersetzen. Die U-Bahnen von New York, London oder Paris werden durch die Installation von Drehkreuzen an Ein- und Ausgängen zu geschlossenen Systemen gemacht. So kommen in New York ab 1920 automatisierte Drehkreuze zum Einsatz, in die die Fahrgäste Fünf-Cent-Münzen, später durch tokens abgelöst, einwerfen müssen. Seit den 1990er Jahren werden viele der Einwurf- und Ticketsysteme durch wiederaufladbare oder zeitbasierte smart cards ersetzt, die auf der Basis von Magnetstreifen (Metrocard, New York) oder RFID (Oyster Card, London) funktionieren und am Ende einer Fahrt den jeweiligen Fahrpreis automatisch abbuchen.

Einer der wichtigsten Einsatzbereiche für Drehkreuze sind nach wie vor Sportstadien. Viele der großen Fußballarenen sind in den letzten 10 bis 15 Jahren auf Drehkreuze mit elektronischen Zugangskontrollsystemen umgerüstet worden. Zur Speicherung und Weitergabe der Informationen auf den Tickets kommen dabei Techniken wie Magnetstreifen, Strichcodes oder RFID zur Anwendung, die von Scannern oder Lesegeräten am Drehkreuz ausgelesen werden. Die automatisierte Ticketkontrolle reduziert nicht nur den Personalbedarf, sondern ermöglicht es auch, zusätzliche Funktionen an den Einlassprozess zu knüpfen. Zum Beispiel können Anzahl, Ort und Zeitpunkt der Durchgänge zentral registriert und ausgewertet werden, was das Crowd Management im Stadion erleichtert. Häufig dient die Eintrittskarte gleichzeitig als bargeldloses Zahlungssystem für Parkscheine, Speisen, Getränke oder Fanartikel. So wirbt das Berner Stade de Suisse mit einer Swatch-Armbanduhr als wiederaufladbarem „tickenden Ticket“ für „Zier, Zeit, Zutritt, Zahlen“. Dies optimiert zwar die Abläufe im Stadion, macht aber gleichzeitig das Konsumverhalten der BesucherInnen für den Betreiber transparent.

Um potenzielle UnruhestifterInnen aussondern zu können, wird es darüber hinaus zunehmend zum Ziel der Sicherheitsverantwortlichen, die StadionbesucherInnen zu personalisieren. So waren etwa die Tickets der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit individuellen RFID-Tags versehen, mit denen die persönlichen Kundendaten der TickethalterInnen aufgerufen werden konnten. Die RFID-Funktechnik zur berührungslosen Auslesung der Tickets wurde von dem österreichischen Drehkreuzhersteller SkiData zunächst für Skilifte eingesetzt, um das lästige Hervorkramen der Skipässe zu vermeiden. Diese Technik ermöglicht aber auch eine unbemerkte Auslesung des Tickets jenseits der Drehkreuze: Mit entsprechend verteilten Lesegeräten ist es technisch möglich, Aufenthaltsorte und Bewegungsprofile der TickethalterInnen zu ermitteln. Zur tatsächlichen Identifizierung der BesucherInnen werden in Stadien sogar bereits biometrische Systeme getestet.

Während sich die mechanische Funktionsweise des Drehkreuzes über mehr als hundert Jahre hinweg kaum verändert hat, werden die Steuerungssysteme des Drehkreuzes technisch immer ausgefeilter. Der Prozess der Zugangskontrolle und Identifizierung wird zunehmend automatisiert und durch Funktionen ergänzt, die einen immer größeren Wirkungsradius haben. Trotz einer Etablierung flächendeckender Überwachungstechnologien wird also die Bedeutung von physischen Grenzen und Kontrollpunkten nicht aufgehoben: das Drehkreuz spielt als regulierbarer Filtermechanismus weiterhin eine wichtige, wenn nicht sogar wachsende Rolle.


[Anke Hagemann, „Filter, Ventile und Schleusen. Die Architektur der Zugangsregulierung“, in: Volker Eick/Jens Sambale/Eric Töpfer (Hg.), Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik, Bielefeld 2007, S. 301-328.
Simon Inglis, „Turnstiles“, in: ders., Played in Manchester, London 2004, S. 64-69.
Stefan Nixdorf, „Die Komposition von Stadien. Zwischen Multifunktion und Rückbau“, in: Detail 9 (2005).]

25. März 2009 Alexandra Correll
ARCH+

Pförtnerloge

Die Pförtnerloge ist ein Kontrollpunkt an der Grenze von Gebäuden oder Grundstücken. Sie ist in öffentlichen Bauten wie Behörden, Bibliotheken, Universitäten oder Krankenhäusern, in Büro- und Geschäftshäusern, auf dem Gelände von Industrieanlagen und Gewerbebetrieben, aber auch in Wohngebäuden zu finden. Baulich ist die Pförtnerloge entweder ein eigenständiger, meist eingeschossiger Bungalow an der Einfahrt eines Grundstücks, oder sie befindet sich als Nische, Einbau oder Raum im Raum im Eingangsbereich von Gebäuden. Oft bildet sie auch eine zentrale Schaltstelle, an der Informationen über Besucher, Gebäudetechnik und andere Belange zusammenlaufen.

Die Pförtnerloge ist der Arbeitsplatz des Pförtners, der dafür sorgt, dass nur berechtigte oder erwünschte Personen das Gebäude betreten und dass die Hausordnung bzw. das private Hausrecht eingehalten werden. Zudem übernimmt er oft weitere Funktionen wie den Wachschutz der gesamten Anlage oder die Weitergabe von Informationen. Über Überwachungskameras kann sich der Pförtner in vielen Fällen einen Überblick über das gesamte Gebäude samt seiner Ein- und Ausgänge verschaffen. Zu den Aufgaben eines Pförtners gehören aber meist auch Dienstleistungsangebote – besonders in Wohngebäuden. Diese stehen zum Beispiel bei den vorwiegend weiblichen Concierges im Paris des 19. und 20. Jahrhunderts im Vordergrund. Sie entsprechen der Hausmeisterin eines Wohnhauses und nehmen zudem die Post an, führen Instandhaltungsarbeiten aus, bringen die Wäsche oder rufen den Chauffeur.

In vielen Großstädten der Welt soll heute ein 24-Stunden-Pförtnerdienst in mehrgeschossigen Wohn- und Apartmenthäusern vor Einbruch, Vandalismus und anderen kriminellen Handlungen schützen und gleichzeitig das soziale Prestige der Bewohner erhöhen. Dabei können einzelne Wohnhäuser oder auch ganze Wohnareale mit eigener Infrastruktur abgeriegelt und durch Pförtner kontrolliert werden. Die Segregation einer homogenen Bewohnergruppe ist oft Grundlage des Sicherheitssystems wie auch der sozialen Identität solcher Wohnanlagen. So sind beispielsweise in Berlin in den letzten Jahren in steigender Zahl luxuriöse Wohnkomplexe mit Pförtnerloge, Lobby und bewachter Einfahrt entstanden. Der Einsatz von Wach- und Servicepersonal wird seitens der Investoren teilweise mit der zunehmenden Internationalisierung der betreffenden Klientel begründet, die solche Strukturen gewohnt sei. Der Pförtner wird hier zum Teil des Vermarktungskonzepts und seine Dienste sind im Kauf- bzw. Mietpreis der Wohneinheiten inbegriffen. Aber auch in Stadtbezirken, in denen der Quadratmeterpreis weitaus günstiger ist, lässt sich eine wachsende Präsenz von Pförtnern in Wohngebäuden beobachten. So wurden im Berliner Stadtteil Marzahn von Wohnungsbaugesellschaften Wach- und Servicedienste für mehrere Wohnblocks eingestellt. Ihre Präsenz soll gegen Kriminalität, Vandalismus und Verwahrlosung wirken. Auf der einen Seite wird den Bewohnern damit Schutz geboten, auf der anderen Seite werden sie dazu angehalten, sich ebenfalls an bestehende Regeln zu halten. Mit Dienstleistungen wie der Ausgabe von Ersatzschlüsseln oder dem Gießen der Blumen bei Abwesenheit soll darüber hinaus die Wohnsituation aufgewertet und die Anonymität reduziert werden. Entgegen weit verbreiteter Trends, Personal durch den Einsatz von Technik zu ersetzen, wird also mit dem zunehmenden Einsatz von Pförtnern bewusst wieder auf die disziplinierende Wirkung einer persönlichen Präsenz und auf die Qualität von Dienstleistungen durch vertrautes Personal gesetzt.


Anmerkungen:
Georg Glasze/Robert Pütz/Manfred Rolfes (Hg.), Diskurs - Stadt - Kriminalität.
Städtische (Un-)Sicherheiten aus der Perspektive von Stadtforschung und kritischer Kriminalgeographie, Bielefeld 2005.
Anja Karrasch/Oliver Burgard, „Der Portier im Plattenbau“, in: DIE ZEIT, 18. Juni 2003.

Bauwerk