Zeitschrift

TEC21 2011|26
Sehnsucht Landschaft
TEC21 2011|26
zur Zeitschrift: TEC21
Verlag: Verlags-AG
Die Schweizer Landschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant verändert. Wo sich vor fünfzig Jahren ländliche Gebiete ausbreiteten, die in ihrem Charakter deutlich von den Städten unterscheidbar waren, wuchern heute vielerorts gesichtslose Agglomerationen. Als Reaktion auf diese Entwicklung wächst einerseits das Unbehagen und wird der Ruf nach einer wirksameren Raumplanung lauter. Auf der anderen Seite wächst auch die Sehnsucht nach «schöner» Landschaft. Ein Grossteil der Bevölkerung versteht darunter unberührte Natur- bzw. traditionelle Kulturland-schaften. Die Alltagsumgebung vieler Schweizer hat mit dieser Vorstellung nicht mehr viel zu tun. Entsprechend fühlen sie sich dieser auch kaum emotional verbunden. Diese zwiespältige Raumwahrnehmung zeigt sich in einer in Glarus Süd durchgeführten Untersuchung, die wir in diesem Heft vorstellen («Die Landschaft im Kopf»).

Als Konsequenz daraus streben Stadt- und Agglobewohner in ihrer Freizeit in jene Ecken der Schweiz, wo die reale Landschaft noch ihrem Idealbild zu entsprechen scheint, und würden diese verbliebenen heilen Landschaften gern konservieren. Dass die damit verbundene Freizeit-mobilität gerade jene unberührte Natur gefährdet, vor allem aber zur weiteren Zerstörung der näher gelegenen Landschaftsreste beiträgt, ist die gern verdrängte Folge.

Die Artikel in diesem Heft beleuchten, wie sich diese Entwicklung durchbrechen und in nachhaltigere Bahnen lenken lässt. Wir bewegen uns dabei in einer Art Gradient von den noch weitgehend «heilen», abgelegenen Landschaften in zunehmend urbaneres Gebiet. So zeigt der Artikel über die 2007 eingeführten «Parks von nationaler Bedeutung», dass es dort zwar sehr wohl um die Erhaltung von Natur und Landschaft geht, die menschliche Nutzung und die Weiterentwicklung des ländlichen Raumes jedoch nicht ausgeblendet werden dürfen («Vermarktete Natur»).

In Glarus Süd ist die «heile» Landschaft zwar ebenfalls nicht weit; aber auch die zunehmend urbane Alltagslandschaft im Tal lässt sich aufwer-ten, sodass sie vom blinden Fleck wieder zur Heimat wird, mit der sich die Bewohner identifizieren können. Ansätze dafür stellt der Artikel «Die Landschaft im Kopf» vor.

Auch im Einzugsgebiet der grössten Stadt der Schweiz gibt es noch zahlreiche Landschaften, die zu entdecken sich lohnt. Damit diese trotz zunehmender Verdichtung erhalten bleiben, wurde der Agglomerationspark Limmattal ins Leben gerufen («Grünraum in Stadtnähe»). Neben einer Aufwertung und besseren Vernetzung der Freiräume zwischen Baden und Zürich ist dessen Ziel auch, diese Landschaft besser bekannt zu machen – auf dass wir in unserer Sehnsucht nach Landschaft das Naheliegende wieder wahrzunehmen lernen.
Claudia Carle

05 WETTBEWERBE
Zentrumsüberbauung Goldach | Strukturplanung Regensburg (D)

14 MAGAZIN
Weg am Wasser

22 VERMARKTETE NATUR?
Stefan Forster In allen Teilen der Schweiz entstehen neue Parks. Die Naturwerte der Regionen sollen damit erhalten und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung gefördert werden.

26 DIE LANDSCHAFT IM KOPF
Christine Meier Eine Untersuchung in Glarus Süd zeigt, dass Landschaft nur dort Identität stiften kann, wo die wahrgenommene und die reale Landschaft übereinstimmen. Ein wertvoller Hinweis für die Raumentwicklung.

31 GRÜNRAUM IN STADTNÄHE
Sigrun Rohde Beim Agglomerationspark Limmattal arbeiten 17 Städte und Gemeinden zusammen daran, die Freiräume zwischen Zürich und Baden aufzuwerten und als Naherholungsgebiet bekannter zu machen.

38 SIA
Raumentwicklung nach Mass | Wem gehört der Mehrwert? |Stellungnahme Raumkonzept Schweiz | Geodaten in der Nutzungsplanung | Berufshaftpflicht-Versicherung

42 PRODUKTE

53 IMPRESSUM

54 VERANSTALTUNGEN

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Verlags-AG der akademischen technischen Vereine

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