Zeitschrift

TEC21 2012|26
Franz Hart in München
TEC21 2012|26
zur Zeitschrift: TEC21
Verlag: Verlags-AG
Diese Ausgabe erzählt eine Geschichte vom Bauen, Bewahren und Ertüchtigen. Sie spielt in München, hat sich aber so oder ähnlich vielerorts zugetragen und ist überall aktuell: Der Münchner Architekt Franz Hart (1910 – 1996) hat mit seinen modernen Bauten den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg mitgeprägt – in einem politischen Umfeld, das die Jahre Münchens als Hitlers «Hauptstadt der Bewegung» am liebsten vergessen machen wollte und deshalb vielfach historisierende Wiederherstellungen bevorzugte. Wie sein Architektenkollege Hans Döllgast steht Hart für eine gemässigte Moderne, die sich nie vom historischen Kontext ablöste: In der Altstadt unweit der Residenz – des Stadtschlosses der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige – und direkt an den letzten Überresten der mittelalterlichen Stadtmauer errichtete Hart mit der Salvatorgarage ein Parkhaus, das aus heutiger Sicht schon fast als Vorgriff auf die interpretierende Rekonstruktion gelesen werden kann. In der Maxvorstadt – im Gebäudekonglomerat der Technischen Universität – wählte er hingegen einen pragmatisch-nüchternen, ingenieurmässigen Ansatz, der wie bei vielen seiner Bauten von der Konstruktion und dem Material geprägt wurde. Darüber hinaus war er als Schriftgestalter, später als Fachbuchautor und Bauberater erfolgreich tätig.

Von 1948 an hat er denn auch als Professor für Hochbaukonstruktion die konstruktive Ausrichtung des Architekturstudiums an der Technischen Universität entscheidend beeinflusst. Nachdem er 1978 emeritiert wurde, trugen die ehemaligen Assistenten seine Lehre weiter. Entsprechend wurden Generationen von Architekturstudierenden von seiner Haltung beeinflusst. So zitierte etwa der Architekt Uwe Kiessler in einem Interview auf die Frage, ob man Kreativität lernen könne, seinen Lehrer Hart mit den Worten: «Der Architekt braucht mehr Fleiss als Begabung, mehr Verstand als Fleiss und mehr Glück als Verstand.»[1]

Inzwischen ist die übernächste Architektengeneration mit der notwendig gewordenen Erneuerung von Hart-Bauten befasst. Umso spannender ist der Blick auf den Umgang zweier Münchner Architekten mit dem prägenden Erbe: Andreas Hild und Peter Haimerl nähern sich bei ihren Projekten den Hart-Bauten mit grosser gestalterischer Freiheit, dabei kontextbezogen und mit sauber konstruierten Details. So kann man wohl sagen, dass die Saat aufgegangen ist und sich die Zöglinge bei allem Respekt selbstbewusst freigeschwommen haben.

Alexander Felix


Anmerkung:
[01] «Architekt – der Haus-Meister», Süddeutsche Zeitung vom 5. 10. 2001

05 WETTBEWERBE
Neues Schulhaus für Allschwil

10 MAGAZIN
Poren, Patios und Periskope | Krieg in der Schweiz | Schauen, sehen, verstehen | Kurzmeldungen | Cluster für Gebäudetechnik

20 DIE VIELEN BERUFE DES FRANZ HART
Cornelius Tafel
Franz Hart (1910 – 1996) war ein vielseitiger Architekt. Seine gemässigt modernen Nachkriegsbauten prägen das Münchner Stadtbild bis heute. Ein paar seiner Gebäude wurden zerstört, während eine neue Architektengeneration sein Erbe weiterbaut.

23 GARAGE AUFGESTOCKT
Jochen Paul
Franz Hart erbaute 1964 / 65 im historischen Stadtkern von München eine öffentliche Parkgarage. Sein Umgang mit der historischen Substanz war zukunftsweisend. 2006 hat der Münchner Architekt Peter Haimerl die Garage mit einem beeindruckenden Stahlbau aufgestockt.

26 BEWEGTER VORHANG
Claudia HildneR
1960 errichtete Franz Hart Das Institut für Technische Physik der Technischen Universität München. 2011 – 2013 setzen es die Münchner Architekten Hild und K instand und versehen den pragmatischen Skelettbau mit einer neuen Mauerwerkfassade.

32 SIA
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37 FIRMEN

39 PRODUKTE

45 IMPRESSUM

46 VERANSTALTUNGEN

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