Bauwerk

Museum Sammlung Essl
Heinz Tesar - Klosterneuburg (A) - 1999
Museum Sammlung Essl, Foto: Margherita Spiluttini
Museum Sammlung Essl, Foto: Margherita Spiluttini
Museum Sammlung Essl, Foto: Margherita Spiluttini
Museum Sammlung Essl, Foto: Margherita Spiluttini
14. September 2003 - Az W

Der Name „Sammlung Essl“ ist verbunden mit der bedeutendsten Sammlung österreichischer Malerei nach 1945. Gespräche, die Sammlung im Museumsquartier oder im Künstlerhaus unter staatliche Führung zu stellen, scheiterten. Im Grunde genommen ist das aber kein Verlust.
Denn: Der Bauherr Essl hat sich nun unweit des bereits bestehenden Schömer Verwaltungsgebäudes, das bereits Galerieflächen aufweist, sein eigenes Museum gebaut. Der Architekt blieb derselbe. Vertrauen war die Basis dafür, dass Heinz Tesar völlig freie Hand beim Bau des ersten Privatmuseums Österreichs erhielt.
Entstanden ist ein Bau, dessen einzige Vorgabe die dreieckige Grundstücksfläche ist. Zwei aufeinander spitz zulaufende Trakte bilden nun die Ausstellungsräume, wobei zwei unterschiedliche Typologien entstanden sind: Die insgesamt 3.200 m2 Ausstellungsfläche wird auf eine große Austellungshalle von 1.300 m2, eine freitragende Halle von 800 m2 und sieben Oberlichtsäle aufgeteilt.
Diese kleineren Säle sind entlang der schrägen Grundstückslinie nebeneinander angeordnet. Tesar hat dies zum Thema für seine Architektur gemacht: Die Außenwand der Säle ist schräg zu den eigentlich rechtwinkelig angelegten Baukörpern - sie läuft entlang der schrägen Grundstücksgrenze. Jeder der kleinen Säle ist auch von außen als solcher erkennbar: Die rundum laufenden Oberlichten und das Flachdach lassen die Kuben wie leuchtende Laternen in der Nacht aussehen.
Die Ausstellungsfläche beginnt im Obergeschoss. Das Erdgeschoss ist dem Depot gewidmet, auf das man durch Einschnitte in der großen Ausstellungshalle hinabsehen kann. Das Depot wurde also nicht - wie üblich - in einem Untergeschoß versteckt, sondern zu einem weiteren Thema in Tesars Architektur gemacht.
Durch die Anordnung der beiden aufeinander zulaufenden Längstrakte ergibt sich ein Innenhof und ein kleiner Quertrakt. Ersterer beginnt auf Ausstellungsniveau, wodurch das Obergeschoss durch den begrünten Innenhof den Charakter eines Erdgeschosses erhält. Die gewohnten Denkschemata lassen dadurch das Depot gefühlsmäßig in das Untergeschoß abwandern. Der Quertrakt beinhaltet eine zweistöckige Bibliothek, Archiv, Büros, einen Bookshop und das Treppenhaus.
Die dem Innenhof zugewandten Seiten sind großzügig verglast. Das gilt vor allem für die großen Ausstellungshallen und den Quertrakt. Blickverbindungen werden bei den sieben Pavillons durch vertikale Glasschlitze erzeugt. Das Durchschreiten dieser Räume mit unterschiedlichster Wegführung wird - abgesehen von der Kunst - zum wahren Erlebnis: Immer wieder überraschen Sichtbezüge, Glastüren gehen von diesen Sichtschlitzen in den Garten, das Treiben in den gegenüberliegenden Räumen kann stets beobachtet werden, der Bezug zum Gesamtkomplex ist immer gegeben.
Der große Saal ist entweder von der Ausstellungshalle oder von einer im Innenhof angelegten Freirampe aus erreichbar. Diese zieht sich die gesamte Länge des Traktes sanft nach oben, unmerklich wandert der Besucher einen Stock höher, mit dem Blick immer auf einen Teil des Museums gerichtet. Die Möglichkeiten für das Auge sind zahlreich.
Zusätzliche Verbindung im Inneren der beiden großen Ausstellungsräume ist eine Rotunde, die für akustische Darbietungen reserviert ist. Die freitragende Halle überzeugt noch durch weitere Eingriffe: Eine sanft geschwungene Decke mit Einschnitten für natürliches Licht erzeugt unterschiedliche architektonische Atmosphären, Lichtbänder am Boden und auf Augenhöhe bieten Sichtkontakt in den Innenhof und nach außen, der Blick nach unten in die Rotunde ist gleichzeitig auch durch äußerst sensibel ausgearbeitete Handläufe als Moment des Verweilens gedacht.
Das Museum ist ein idealer Ort für die Kunst. Dies ist keine allgemein gültige Aussage. Dieses Museum ist ein idealer Ort für die Kunst, die es ausstellen soll. Und es ist der Versuch, durch die Vielfalt an Lichtquellen und Raumtypologien, für die jeweiligen Kuratoren eine otpimale Ausgangsbasis für Kunstpräsentationen zu schaffen.

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Für den Beitrag verantwortlich: Architekturzentrum Wien

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Martina Frühwirthfruehwirth[at]azw.at