Bauwerk

ETH Sport Center Science City
Dietrich | Untertrifaller - Zürich (CH) - 2009
ETH Sport Center Science City, Foto: Bruno Klomfar
ETH Sport Center Science City, Foto: Bruno Klomfar
ETH Sport Center Science City, Foto: Bruno Klomfar
19. Juli 2010 - newroom
Der Campus der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) auf dem Hönggerberg in Zürich wird derzeit energisch ausgebaut. Dazu zählt eine Sportanlage am östlichen Rand beim Erholungsgebiet Käferberg. Den Ort interpretierend, ist der Baukörper in den Hang mit einer Heuwiese geschoben und tritt nur mit der Westfassade in Erscheinung. Der Außenraum scheint durch das großzügige Foyer und über eine begrünte Rampe wieder ins Freie zu fließen. Attraktive Innenraumkonfigurationen schaffen ein angenehmes Ambiente für Sportausbildung, Freizeitsport, Entspannung und selbst festliche Großereignisse.

Der Campus der ETH auf dem Zürcher Hönggerberg wuchs in mehreren Etappen zur jetzigen Größe heran, wobei das sechseckige Physik-Auditorium von Architekt und Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner den Komplex von Anbeginn dominierte. Heute schließt es den ansteigenden, zentralen Längsplatz im Osten ab. An seiner Südseite vorbei gelangen Lauffreudige und Flanierende in das Erholungsgebiet um die waldbestandene Kuppe des Käferbergs sowie jene Hochschulangehörige, die ausgleichende Bewegung suchen, zu den Sportanlagen. Das städtebauliche Konzept für die neue Hochschulsportanlage thematisiert die Lage am Übergang vom verdichteten Campus zum offenen Erholungsgebiet. Den Abschluss einer leichten Senke bildend, ist der flache Baukörper tief in den sanft auslaufenden Hang geschoben, sodass das natürliche Terrain gleitend in die begrünte Dachfläche übergeht. Zum Campus hin tritt das Bauwerk hingegen mit einer breit gelagerten Fassade in Erscheinung, wobei die markanten Gebäudekanten oben und seitlich angeschrägt sind. Dadurch wirkt es einerseits niedriger und ist andererseits moderat dem Geländeverlauf angepasst. Damit wird sowohl der Qualität des Orts als auch den spezifischen Funktionen Ausdruck verliehen.

Der flache Baukörper von grün-kristalliner Anmutung enthält eine Dreifachturnhalle mit Tribüne und Garderoben sowie Tanz- und Gymnastiksäle, Krafträume und einen Wellnessbereich. Das architektonische Konzept legt den vergleichsweise sperrigen Quader der Dreifachturnhalle so tief ins Erdreich, dass die Oberkante der Deckenkonstruktion fließend mit den angrenzenden Wiesenflächen übereinstimmt. Um die Halle herum sind allseitig auf mehreren Geschossen Erschließungszonen, Nebenräume und weitere Nutzungen angelagert. Die Gebäudekanten sind polyedrisch verformt, sodass die Großform nicht herrisch, sondern geländefühlig auftritt. Eine teils opake, teils transparente Fassade aus grünem Wärmeschutzglas evoziert den Eindruck eines unregelmäßig angeschliffenen, kristallinen Körpers. Das abwägende Wechselspiel von kraftvoller Setzung und dialogischen Rändern zeigt sich beispielsweise beim Eingang und dem anschließenden Foyer: Exakt auf die Bewegungsströme ausgerichtet, öffnet sich der Eingang an der vordersten Stelle der in flachen Winkeln vortretenden Westfassade, ist aber zugleich eingezogen, eine offene Vorhalle bildend. Nach dem Windfang betritt man das großzügige Foyer, dessen verglaste Längsseite die große Halle tangiert und das weiter durch den Gebäudekomplex hindurchstößt, um in einer begrünten, ansteigenden Fläche zu münden, die zur offenen Wiese überleitet. Damit überlagern sich innerhalb des Gebäudes städtebauliche und architektonische Elemente. Der von außen kommende Bewegungsstrom wird einerseits aufgefangen, geteilt und den verschiedenen Funktionen zugeleitet, andererseits wird dessen räumliche Fortsetzung in einen Grünraum umgedeutet. Eine zweite, nördlich gelegene Grünrampe verzahnt das Bauwerk ein weiteres Mal mit dem Außenraum. Die Deckenkonstruktion über der Halle spannt sich auch über Tribüne und Foyer. Sie vereinigt unter ihrem Dach eine in Höhe und Raumzonen differenzierte Topografie: einen großmaßstäblichen „Raumplan“, der über den Alltag der sportlichen Nutzung hinaus für festliche Anlässe einen würdigen Rahmen bietet. Neben dieser großzügigen Raumkonfiguration verfügen auch die Kraft-, Cardio- und Wellnessbereiche im südseitigen Gebäudeteil über einen vertikalen Raumbezug, den schräge Dachflächen nach oben abschließen. Äußere Form sowie innere Gliederung und Zonierung stehen damit in einem spannungsvollen Verhältnis von Übereinstimmung und Überlagerung, das für den individuellen Nachvollzug Anregung, Überraschung und architektonischen Genuss bietet. (Text: Architekten)

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