Bauwerk

Nahverkehrsdrehscheibe Graz Hauptbahnhof
Zechner & Zechner - Graz (A) - 2012
Nahverkehrsdrehscheibe Graz Hauptbahnhof, Foto: Thilo Härdtlein
Nahverkehrsdrehscheibe Graz Hauptbahnhof, Foto: Thilo Härdtlein
23. Februar 2013 - GAT

Nach 2 Jahren Bauzeit und mit einer Investitionssumme von 90 Millionen Euro wurde die Nahverkehrsdrehscheibe am Grazer Hauptbahnhof im November 2012 fertig gestellt. Der Bahnhofsvorplatz präsentiert sich im neuen Design, das neue Vordach, von den Grazern „Golden Eye“ tituliert, markiert das Zentrum des Platzes. Die größte Neuerung betrifft die Straßenbahntrasse, die hier nun unterirdisch verläuft und alle 4 Straßenbahnlinien direkt an den Bahnhof anbindet. Das Projekt hat auch städtebauliche Auswirkungen auf das gesamte Bahnhofsumfeld. Die Steigerung der Attraktivität des großen Platzes vor dem Hauptbahnhof gilt als Initialprojekt für die weitere Entwicklung des Gebietes, die mit der in Bau befindlichen Neugestaltung der Annenstraße ihre nächste Stufe erreichen wird.

Die neue Doppelhaltstelle der Straßenbahnlinien 1, 3, 6 und 7 wurde unterirdisch im Bereich der Grünflächen am Europaplatz situiert. Die Haltestelle ist im Gleisbereich nach oben offen und in den Warteflächen überdacht. Dadurch werden die Bahnsteige natürlich belichtet und belüftet und können im Brandfall ohne Zusatzeinrichtungen entraucht werden. Blicke nach außen geben die Sicht auf das benachbarte Hotel und den Himmel frei und unterstützen so die Orientierung der Fahrgäste. Rolltreppen und Aufzüge sorgen für einen barrierefreien Zugang auf Platzniveau. Wand- und Deckenflächen der Station sind mit einem Streifenmuster überzogen, das vier unterschiedliche Grautöne in Form von Faserbetonplatten zeigt. Durch seine geknickten strukturierten Oberflächen wirkt der Stationsraum wie aus der Erde „geschnitten“, diese Schnittlinien setzen sich in weiterer Folge an der Oberfläche des Platzes fort.

Durch den Neubau der unterirdischen Haltestelle bot sich die Möglichkeit, das heterogene Erscheinungsbild des Bahnhofsvorplatzes und die unbefriedigenden Wegrelationen zu adaptieren. Signifikantestes Element der Neugestaltung bildet die Überdachung des Vorplatzes – eine ovale, ringförmige Scheibe, die einen witterungsgeschützten Ring zur Bahnhofshalle und den Bushaltestellen ermöglicht. Der Dachring, das „Golden Eye“, formt eine „äußere Halle“, die in Bezug zur bestehenden Bahnhofshalle steht. In der Untersichtverkleidung des Daches spiegeln sich leicht verzerrt die Streifen der Platzpflasterung, Passanten und Fahrzeuge und erzeugen so gleichsam einen Film auf der Leinwand der Bewegungen.
Die primäre Stahlkonstruktion des ca. 3000 m2 großen Vordaches besteht aus gelenkig gelagerten Stützen aus Rundrohren, aus dem Rückgrat, welches die einzelnen Stützen verbindet sowie aus radial ausgerichteten Spanten. Die Gesamttonnage beträgt ca. 420 Tonnen. Bei der Konstruktion wurde auf eine durchgehende Vorfertigung im Werk Bedacht genommen. Die beengten Platzverhältnisse auf der Baustelle und die kurzen Montagezeiten mussten ebenfalls berücksichtigt werden. Somit war eine Stahlkonstruktion mit durchgehender Verschraubung ohne Baustellenschweißungen die konsequente Antwort.

Das Streifenmuster der Station setzt sich auf Platzebene in der Pflasterung fort und geht zonenweise in differenziert gestaltete Grünflächen über. Die polygonalen Pflanzenschollen und eine auf- und absteigende Wiesentopografie machen den Aufenthalt auf dem Bahnhofsvorplatz nicht nur schöner, sondern auch vielfältig nutzbar. Im Rahmen des Bauvorhabens wurde auch die Radwegerschließung vor dem Bahnhof verbessert und neue überdachte Fahrrad- Abstellmöglichkeiten geschaffen. (Text: Martin Zechner)

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