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db deutsche bauzeitung 2019|11
Natürlich
db deutsche bauzeitung 2019|11
Machen wir uns nichts vor, Bauen ist eine Umweltsünde par ecxellence. Ernsthaft klimaschonend, geschweige denn klimaneutral zu bauen, ist schlicht unmöglich. Etwa ein Fünftel des jährlichen weltweiten Ressourcenverbrauchs darf man dem Bausektor zuschreiben.

2019 war der Erdüberlastungstag wieder um vier Tage früher erreicht als noch im Jahr 2017. Bereits Ende Juli überstieg die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen die Kapazität der Erde, diese Ressourcen noch im selben Jahr zu reproduzieren – global gerechnet; würde die gesamte Welt z. B. so haushalten wie Deutschland, wären dazu drei Erden nötig.

Jeder Neubau – mag er auch dazu beitragen, die Renten, Arbeitsplätze und unseren Raumbedarf abzusichern – ist ökologisch gesehen eine Katastrophe.

Als größtem Verbraucher der weltweiten Rohstoffe und Verursacher von immensen Abfallmengen bleibt der Bauwirtschaft nur die Schadensbegrenzung. Etwa durch die Weiternutzen von Bestandsbauten – allermindestens die bereits geleisteten Investitionen in Fundamentierung und Tragstruktur bleiben dabei erhalten.

Und – kaum überraschend – kommt der Ingenieurskonzern Arup in seinem Report »Rethinking Timber« zu dem Schluss, dass möglichst natürliche, möglichst naturbelassene Baustoffe den besten Weg weisen, den ökologischen Fußabdruck beim Bauen zu verringern.

Ganz klar: Ökologisch ist es, gar nicht zu bauen. Sinnvoll ist es: überlegt zu bauen – so wie es z. B. die »Architects for Future« fordern, die sich – in Anlehnung an die Fridays for Future-Bewegung – für einen nachhaltigen Wandel der Baubranche einsetzen, oder so wie es der Bund Deutscher Architekten (BDA) in seinem Positionspapier »Das Haus der Erde« noch viel radikaler angeht, indem er grundsätzlich die Abkehr vom Wachstumsgedanken verlangt.

Das alles sind dicke Bretter, die da auf politischer wie auch gesellschaftlicher Ebene zu bohren sind. Man muss daran aber nicht verzweifeln, auch wenn der Eindruck entstanden ist, es habe sich in den letzten fünf Jahrzehnten kaum etwas getan. Zwar wurde so mancher Irrweg beschritten oder auch Taubheit vorgeschützt – insgesamt geht es aber voran, wenn auch langsam, hoffentlich nicht zu langsam. | Achim Geissinger

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