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Rheinpark in Köln

Egal in welchem Zustand, die Kölner lieben ihren Rheinpark. Nach den Höhepunkten der Bundesgartenschauen 1957 und 1971 verwahrloste er zwar jeweils zunehmend, doch ging nur wenig dabei verloren. Seit einigen Jahren engagieren sich Stadt und Bürger dafür, das außergewöhnlich vielfältige gartengestalterische Erbe zu erhalten.

03. April 2014 - Uta Winterhager

´Die Idee aus der Uferlandschaft zwischen Deutzer Messe und Mühlheimer Hafen einen Volkspark zu machen, stammt bereits aus den 20er Jahren. Schon damals schuf man hier einen Park mit funktionaler Zweigliederung: Spiel und Sport auf weiten Auenwiesen sollten den Großstädtern gut tun, ein gärtnerisch stärker kultivierter Bereich hinter dem schützenden Deich Ruhe und Kontemplation ermöglichen. Doch der Zweite Weltkrieg hinterließ auch auf dem Rheinparkgelände nur Bombenkrater und Trümmer. Und während ringsum die Stadt wieder aufgebaut wurde, entsorgte man hier den Schutt, der bald zu unübersehbaren Halden angewachsen war. Als Köln sich für die Ausrichtung der Bundesgartenschau 1957 bewarb, war der Wunsch groß, an dieser Stelle endlich wieder Raum für Spiel und Erholung zu schaffen.

Modelliert

»Blumen blühen am Rhein« hieß es, als die Gartenschau im April 1957 eröffnet wurde, doch die Pracht der 2,5 Mio. Pflanzen war nur eine ihrer zahlreichen Facetten. Unter der künstlerischen und technischen Oberleitung des städtischen Gartenbaudirektors Kurt Schönbohm waren die Trümmerberge und der Deich auf einem 2,3 km langen Streifen entlang des Rheins zu einer reizvoll welligen Landschaft modelliert worden, die vom Ufer aus leicht anstieg und unattraktive Ansichten von Hafen und Industrie verbarg. Schönbohm, der seinen Rahmenplan aus Elementen der prämierten Wettbewerbsbeiträge des Architekten Rembald von Steinbüchel-Rheinwall, der Gartenarchitekten Günther Schulze und Joachim Winkler und der Landschaftsarchitektin Hertha Hammerbacher erarbeitet hatte, verteilte unterschiedlich gestaltete Themeninseln, deren Dichte und Grad an Gestaltung zum Ufer hin abnahmen, über das Areal. Damit griff er zwar die historische Zweigliederung des Parks wieder auf, vermied jedoch den vormalig harten Bruch zwischen Landschaft und Garten. Mit der Rheinseilbahn, einem Sessellift und der Kleinbahn »Trans-Rheinpark-Express«, fügte er der Gartenschau noch eine attraktive technische Ebene hinzu.

Bis heute wurde an der seit 1989 denkmalgeschützten Anlage des Rheinparks nur wenig verändert. Man sieht dem Park jedoch an, dass er etlichen Hochwasserständen ebenso widerstehen musste wie dem Flächenfraß durch die angrenzende Messe und benachbarter Industrie. Seit 1966 »überfliegt« die Zoobrücke den Park an seinem Nordende und das Dauerrauschen der sechsspurigen Autobahn wurde Teil seiner Geräuschkulisse. Auch die BUGA von 1971 auf demselben Gelände hinterließ ihre Spuren. Doch gelang es, das Gesamtkunstwerk von 1957 nicht zu überzeichnen: dasselbe Planungsteam um Schönbohm ergänzte und modernisierte vorsichtig den Bestand.

Als großes Problem stellte sich in den 80er Jahren jedoch das fehlende Nachnutzungskonzept für das Gartenschaugelände heraus. Der Stadt fehlten die Mittel, und so ließ sie Beete verwildern und Sichtachsen zuwachsen, sanierungsbedürftige Spielgeräte wurden abgebaut und nicht mehr ersetzt, die Cafés standen leer. Nach und nach verblasste das Erscheinungsbild der einst so eleganten und modernen Parklandschaft. Erst großes bürgerschaftliches Engagement führte dazu, dass der Erhalt des Rheinparks zum lokalpolitischen Thema wurde. Nach einer umfangreichen Analyse wurde die Sanierung schließlich angegangen, sodass der Rheinpark sein 50-jähriges Bestehen im Jahr 2007 in einem angemessenen Zustand feiern konnte.

Hierarchielos

2001 saniert und neu bespannt prägt die leichte Überdachung (Frei Otto 1957) des Tanzbrunnens, das sogenannte Sternwellenzelt, noch heute die Rheinansicht des Parks. Nur als temporäres Eingangsbauwerk der Gartenschau geplant war hingegen der eindrucksvolle mit einem 700 m² großen Glasseide-Segel überspannte Stahlbogen, ebenfalls von Frei Otto, und wurde danach wieder abgebaut. Das Rosencafé im Norden des Parks (Fritz Ruempler) und das Restaurant Rheinterrassen (Hans Schilling) blieben zwar erhalten, doch Erweiterungen und Umbauten schränken mittlerweile deren Lesbarkeit und Zugänglichkeit erheblich ein. Wer den Park heute besucht, wird den Schwund der Architektur dennoch kaum bemerken, so beeindruckend sind die Weite und Vielschichtigkeit der Anlage. Großzügige geschwungene Wege durchziehen das Gelände und verknüpfen die einzelnen Themeninseln, Rosengarten, Flamingoteich, Spielhügellandschaft, Brunnengarten, um nur einige zu nennen, miteinander. Hier wurde das Bild einer neuen Zeit gezeichnet, ohne Hierarchie, ohne Raster, ohne Brüche.

Auch Architektur und Landschaft standen und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Im Rosengarten wurden nach Entwürfen von Schulze und Winkler fünf Lauben gebaut, einfache Stahlkonstruktionen, die an drei Seiten mit Glas verkleidet waren. Im Laufe der Jahre mussten zwar die Gläser entfernt werden, doch die filigranen, weiß gestrichenen Stahlskelette zeigen noch heute, wie groß der Wunsch danach war, das Gebaute auf ein Minimum zu beschränken, es aufzulösen, damit es mit seiner Umgebung eins werde. Ähnlich reduziert gestaltet und von hoher grafischer Wirkung sind auch die Pergolen an den Wasserterrassen von Hertha Hammerbacher und die »Windharfen« ihrer Tochter Merete Mattern im Staudengarten.

Betoniert

Zur gestalterischen Einheit von Architektur und Landschaft trägt auch die abwechslungsreiche und sehr prägnante Verwendung von Beton bei. Fast könnte man von einem Fest für den Beton sprechen, mit so viel Ideenreichtum und Mut zum Experiment wurde er überall präsentiert. Der Werkstoff erlaubte neue Farben und Formen, strukturierte Oberflächen, filigrane Konstruktionen und er war günstig, schnell verfügbar und sehr modern. Und durchaus langlebig, wenn auch im Alter nicht unbedingt schöner, wie sich an der Vielfalt der erhaltenen Plattenbeläge, Treppenelemente und Brunneneinfassungen zeigt.

Ein trauriges Schicksal erleidet das Park-Café (Steinbüchel-Rheinwall), das im Ensemble mit Tropenhof, großem Blumengarten und Wassergarten das Zentrum der ursprünglichen Parkanlage gebildet hat. Auch heute noch führt das dreigeschossige Gebäude, das entgegen vielfacher Behauptungen keineswegs nur für eine temporäre Nutzung errichtet worden war, mit geschwungenen Terrassen, filigranen Rampen, fliegendem Dach und überschlanken Stützen das stilistische Repertoire der 50er Jahre vor. Doch seit Jahrzehnten verfällt der leer stehende Bau zusehends, eine wirtschaftliche Nutzung zu finden scheint unmöglich, seine Zukunft ist weiter ungewiss.

Immer wieder galt es, im Rheinpark individuelle Lösungen zu finden, die Geschichte und Gegenwart gleichermaßen gerecht werden. Bei der Sanierung der charakteristischen Pflasterungen, Betonverbundsteinen, Klinker und Grauwacke, geht die Stadt sehr zurückhaltend vor und ersetzt nur, was zur Gefahr wird. Denn einmal angehoben, so zeigt es sich, lassen sich die inzwischen mürben Beläge kein zweites Mal verlegen. Der Erhalt einzelner Parkelemente wie die Kieselmosaike des Brunnengartens ist sogar so aufwendig, dass er nur durch die Arbeit eines Unterstützervereins gesichert werden kann. Und ob die kostbaren Bronzestatuen aus den 50ern, die zunehmend häufig zerstört werden, weiter in der öffentlichen Grünanlage stehen können, muss noch entschieden werden. Als wahre Publikumsmagneten haben sich indessen über alle Jahrzehnte hinweg die großen, außergewöhnlich gestalteten Spielplätze und die variantenreichen Wasserspiele erwiesen.

Wirklich störend in dieser bunten Collage von Parkelementen sind die Gestelle der sogenannten Schaufenster mit Einblicken in die Geschichte des Parks, die vor einigen Jahren an den schönsten Stellen platziert wurden. Eine Grünanlage wie der Rheinpark in Köln braucht jedoch kein didaktisches Mobiliar, vielmehr soll er entdeckt werden und überraschen dürfen.

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Für den Beitrag verantwortlich: deutsche bauzeitung

AnsprechpartnerIn für diese Seite: Ulrike Kunkelulrike.kunkel[at]konradin.de

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