Veranstaltung

Architekturtage 2004
Veranstaltung
4. Juni 2004 bis 5. Juni 2004
in ganz Österreich

Bundeskammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten, Architekturstiftung Österreich, Verein Architekturtage

Einordnen statt Anbiedern

27. Mai 2004 - Norbert Mayr
Das Fehlen eines so genannten „ordentlichen Daches“ führt selbst am Beginn des 21. Jahrhunderts in Salzburger Gemeindestuben und Baubehörden häufig zu heftigem Rumoren und Kopfschütteln.

Das Wohnhaus Zenzmaier mit angeschlossenem Fotoatelier in Kuchl im Salzburger Tennengau legt die Absurdität dieser leidigen Dachdiskussionen frei. Die Architekten Maria Flöckner und Hermann Schnöll demonstrieren Eingliederung ohne Anbiederung in die bestehende Siedlungsstruktur.

Das engagierte Salzburger Architektenduo verdreht den ein- bzw. zweigeschoßigen Baukörper leicht zu den umliegenden Häusern und bildet einen locker gefassten Hof.

Durch präzis gesetzte, vertikale oder horizontale Fensteröffnungen werden umgebende Bauten ausgeblendet. So kann die Familie vom Esstisch im Wohnraum ruhige Blicksequenzen vom elterlichen Obstgarten über die Gebirgszüge bis zur Wiese mit weidenden Schafen genießen.

„Raumkamine“ vom Wohnraum ins Obergeschoß schaffen außergewöhnliche Lichtstimmungen und Raumbeziehungen.

Helle Brauntöne tragen zur angenehmen Wohnatmosphäre bei. Die bewusste Wahl und Gestaltung der Rohbaumaterialien erübrigte ein zusätzliches Oberflächenfinish. Das eingesparte Geld kommt der räumlichen Großzügigkeit und den großflächigen Fensteröffnungen zugute.


Gut klimatisiert

Eine Betonscheibe bildet das konstruktive Rückgrat des Wohnhauses in Mischbauweise. Gemeinsam mit den Ortbetondecken stabilisiert diese Speichermasse die Temperatur im Sommer. Auch bewährt sich ein großzügiger kühler Rückzugsraum im Keller.

Die Kinder können über modifizierte Dachbodenstiegen als Ausweichwege direkt ihre Zimmer erreichen.

Der so genannte „Bezirksarchitekt“ des Tennengaus verwies auf die „zeitgemäße Gestaltung“, die auf den heimischen Werkstoff Nadelholz Rücksicht nehme.

Beschwichtigend in Richtung der Nachbarn zielte wohl sein Hinweis, dass das „Wohnhaus an der Straße nicht in Erscheinung“ trete. Sowohl die Architektur als auch der in diesem Fall erfreulich reibungslose Behördengang können sich aber sehen lassen.

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